Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1845)
- Date
- 1845-05-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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68 bis jetzt. Eine geistige, die ganze Welt im Auge behaltende Auffassung auf der einen, sinnliche nur auf die Verbesserung des eigmm irdischen Zustandes gerichtete Hoffnungm auf der andern Seite. Zn neuerer Zeit ist jedoch diese Kluft wo möglich Noch erweitert worden. Man hat die Entdeckung gemacht, daß die Messiasidee in dem jüdischen Religionssysteme durchaus nicht die Wichtigkeit habe, welche man ihr christlicherseits beilege. Diese Lehre, hat man gesagt, sei in der jüdischen Religion durchaus keine Grund-, ja kaum eine Glaubenslehre zu nennen, sondern nur eine Hilfslehre zur Ergänzung des Systems, welche auch aufgegebm werde könne, eine phantasiereiche Ausschmückung eines einfachen Grundgedankens, die man verwerfen oder anders gestalten könne ohne den Gedanken selbst zu alteriren. Dieser Grundgedanke aber soll die Idee besserer Zeiten sein, wie der Unglückliche sie sich mache und ausschmücke um der Last nicht zu erliegen und dm Kampf mit der ungünstigen Gegenwart aufzugeben. Sie soll daher auch nur für solche Zeiten von Wichtigkeit sein, nicht aber ein Theil oder gar Grundsatz der Religion selbst. Und in der Thal hat diese Entdeckung von der Unwichtigkeit der Messiasidee für das jüdische Religionssystem auf der einm Seite etwas Wahres an sich, denn es ist gewiß, daß gerade diese irdischen Messiashoffnungen, die einst unter den Israeliten so verbreitet warm und ihre ganze Seele erfüllten, sehr viel, ja wohl am meisten dazu beigetragen haben, die Juden auch unter derr härtesten Verfolgungm standhaft und bei dem Wahne zu erhaltm, daß sie doch noch auch in ihrem gegenwärtigen Zustande das auserwählte Volk seien und ihr Weg der richtige. Eins wirkte hier guf das Andere. Wer da meint in der Wahrheit zu stehen und um der Wahrheit willen zu leiden, der muß auch hoffen, Gott werde ihm auf irgend einem Wege helfen, von seinen Bedrückem. Je wmiger also die Gegenwart in der sie lebtm, bei den Zudm zu irgend einer Zeit solche Hoffnungm begünstigte, je weniger ihre Erfüllung auf natürlichem Wege unmöglich schien, desto mehr mußten ihre Büche auf die Verheißung, die sie noch zu haben