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Dibre Emeth · 1845-04-01 · Heft 4 (April 1845) · page 7

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Journal
Dibre Emeth
Volume
1 (1845)
Issue
Heft 4 (April 1845)
Date
1845-04-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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55 werfen. Allein danach darfst Du, dünkt michnoch nicht alle, die dieser zugechan sind, beurtheilen. Es ist öfters ausgesprochen, daß man zwar nicht den Talmud, wohl aber dasThenach-für ein göttliches Buch halte, wohl jenen, aber nicht dieses glaube der Prüfung unterziehen zu müssen. Und damit Du nicht unbillig urtheilest, besinne Dich einmal recht, wie es denn vorher war? Allerdings so wenig jemand alle Ueberlieferungen des Talmud zu bezweifeln wagte, eben so wenig wurde gegen die Wahrheit der Thatsachen in der Bibel etwas geäußert. Aber wurde nicht diese offenbar gegen den Talmud vernachlässigt? stand dessen Studium nicht in höherem Ansehen, als das des Thenach? Und wenn man dieses las, wurde wohl je unbefangen ein Capitel darin gelesen? Knechtete man sich nicht stets selbst durch die hergebrachten rabbinischen Erklärungen und Zusätze? Diese aber, wie sie namentlich in Raschi vorliegen, siehe Dir jetzt einmal unbefangen an. Abgesehen von vielem, einem keuschen Gemüthe Anstößigen, wovon ich obm schon gesprochen, sage: Ist das Meiste Auslegung der Schrift, oder nicht vielmehr Einlegung in dieselbe? Die gewöhnliche Erscheinung, daß ein Wort ohne oder mit Zod oder Waw (wie man sich jetzt in der Grammatik ausdrückt, plene oder defective,) geschrieben ist, giebt Anlaß zur Enthüllung von großen Geheimnissen u. s. w. Zch kann mich jetzt nicht ausführlicher darüber aussprechen. Wie gesagt, Du darfst sie nur einmal unbefangen wieder ansehen, um mit mir zu erkennen: Solche Anmerkungen sind das beste Mittel, den Eindruck, den die Schrift, auf das Gemüth machen könnte, zu zerstören, von derselben ab und nicht in sie einzuführen. Einige Brocken dieses Wissens, womit man den gelegentlich vor Andem, die gar nichts wußten, sich groß that, das war die Bibelkenntniß der Ungelehrten, wovon weder ihr Herz,'noch ihr Leben einen Vortheil hatte, so daß ein Zude unserer Zeit, der in der biblischen Geschichte und nach dem Katechismus unterrichtet ist, leicht eine bessere haben kann, sollte er auch nicht die Bibel selbst zu lesen fortfahren. Doch, lieber Freund, mein Brief ist schon lang geworden. Zch sehe mich genöthigt, zum Schluß zu eilen. Ich muß daher

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