Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1845-04-01 · Heft 4 (April 1845) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
1 (1845)
Issue
Heft 4 (April 1845)
Date
1845-04-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2554541-2554542-2554547--00062-2555829
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

63! Predigt es wirklich besser geworden wäre, so müßte sich dies mehr im Leben zeigen, namentlich durch größere Gottesfurcht. Ich habe oben noch nicht alles berührt, was ich Dir in Beziehung hierauf zu bedenken geben möchte. Du tadelst namentlich die große Freiheit, die man sich in Beziehung des Sabbachs und der Gesetze über Speise und andre äußere Gebräuche nimmt. Deine Anklage ist nicht ohne Grund; diese Gesetze werden vielfach nicht mit der gebührenden Ehrfurcht beachtet. Es ist dies auch ein Pmikt, worin ich mit vielen der neuern Gelehrten, welche diese Nachlässigkeit selbst durch Beweise rechtfertigen wollen, nicht überrinstimme. Aber, lieber Freund, wenn wir auch diese Gesetze, weil sie Gott gegeben, heilig halten, was bleibt dabei immer die Hauptsache, wodurch man seine Religiosität an den Tag legt? Schon unsere Weisen habm geantwortet: Liebe deinen Nächsten als dich selbst; das ist die Erfüllung der ganzen Thorah. Aber wie wmig wmde das im Leben beherzigt! Man richtete jeden Tag und alle Tage seine ganze Aufmerksamkeit auf die peinlichste Erfüllung der äußern Gebräuche, aber das moralische Gesetz trat darüber in dm Hintergrund; man hätte es für das schrecklichste Verbrechm geachtet, wenn man sich mit einem Bissen verbotmer Speise vemnreinigt hätte; aber Zorn, Neid und Haß gegen seine Brüder im Herzen zu behalten, seine Lippen mit beständigm Schwüren, die dm Namen Gottes entheiligen, mit Lügen und Übeln Nachredm, die den Nächsten kränken, zu bestecken, das und Aehnliches sah man J wohl grade die am meisten ohne Scheu thun, welche Eiferer in I den gesetzlichen Gebräuchen waren. War es da nicht zeitgemäß, | daß die neuern Rabbiner besonders auf die Erfüllung der Moral- I geböte drangen? Wenn aber allerdings die Vernachlässigung der Ritualgesetze ein Mangel ist, steht darum das neuere Zudmthum gegen das alte, in welchem, wenn auch nicht in der Lehre, doch im Leben, die äußern Beobachtungen häufig Hauptsache waren, zurück? Und wenn die neuern Rabbiner Lehren aufstellen, die der Geringschätzung des Ritualgesetzes wenigstens unter Bedingungm - das Wort reden und also darin irren, sind sie darum ohne Gotf tesfurcht, da sie doch das Wichtigste im Gesetze mit solchem Eifer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.