Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- Heft 4 (April 1845)
- Date
- 1845-04-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Falle M den vorgettagenen Spitzfindigkeiten; aber nur ihr Verstand war dadurch beschäftigt, in ihr Herz war Nichts gekommen. Die neuern Rabbiner nun suchen Borträge zu hältm, die das Gemüch bewegen und ins Leben greifen. Istdas nicht ein Fortschritt? Zhr Bemühen überhaupt geht dahin, nicht, wie Du zu meinen scheinst, den Gottesdienst in Verfall zu bringen, sondern ihn zu heben, indem man ihn würdevoller, angemessener einrichtet. Manches ist hierfür schon geleistet, sowohl durch Abstellung alter Uebelstände, als durch Emführung von Verbesserungen, z. B. durch Anordnung von Chorgesängen; und wenn nicht überall das Voruttheil so sehr entgegenstünde, so würde man schon weiter gekommen sein. Welches Verdienst aber haben sich die neuern Gelehrten um Verbesserung der Schulen erworben, wobei weniger Hindernisse entgegenstandm, als bei der Erneuerung des Gottesdienstes. Denke zurück an unseren Zugend-Unterricht. Wie unvernünftig und grausam war es doch, uns 7 bis 8jährige Knaben nicht allein mit Raschi und Talmud zu qualm, weil dergleichen uns weder anziehend noch verständlich sein konnte, sondern auch darin Dinge lesen und lernen zu lassen, die einem Kinde, wenn sie nicht ganz unverstanden an ihm vorübergehen nur an seiner Sittlichkeit schaden können! Andere nochwendigen Kenntnisse, ja selbst die biblische Geschichte, wurden ganz vernachlässigt. Die Mädchen aber — und das geschah aus einer im Talmud klar ausgesprochenen Geringschätzung des weiblichm Geschlechts — wuchsen ohne allen Unterricht auf, wenn nicht einsichtsvolle Väter, welche es vermochten, durch Privatunterricht nachhalfen? Wie ganz anders steht es jetzt, wo die neuen Verbesserungen Eingang gefunden haben! Da gehr die ganze Zugend zur Schule. Statt mit Raschi die Kinder zu ermüden, wird nur der einfache Text der Thorah und die Geschichte der übrigen Bücher wenigstens deutsch in einem der zweckmäßigsten neuen Handbücher gelesen. Daneben lernen die Kinder auch die übrigen Kenntnisse, die sie für's Leben bedürfen. Du wirst hier einen Fortschritt nicht ableugnen; aber ich Wechte, daß Du doch noch entgegnest: Wenn in Schule und