Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- Heft 4 (April 1845)
- Date
- 1845-04-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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51 wird auch von Bessern, die noch an der alten Sitte festhalttv. das tägliche Gebet verrichtet; und wie gedankenlos sprechm es viele, die es nicht auszusetzen wagm würdm, Tag für Tag, und spotten also des Allwissenden, der in das Herz sichet! Unsere Rabbinm sagen: „Es ist besser, wenig mit Andacht gebettt, als viel ohne Andacht." Indem sie aber als tägliches Gebet eine so lange Sammlung von Gebeten, Bibel- und Talmudstellen vorschrieben, haben sie selbst den Grund dazu gelegt, daß der Jude, der ihnen folgt, gegen obigen Grundsatz sündigt. Zsts nun nicht besser, von ihnen abzuweichen und statt das lange Gebet ohne Andacht etwas daraus, oder überhaupt ein kurzes Gebet mit Andacht zu sprechm? Derselbe Mangel wahrer Andacht muß dem tiefer Blickenden auch in den öffentlichen, in alter Weise fortbestehenden, Versammlungen kund werden.. Welch' ein wildes Durcheinanderschreien, welch' andachtsloses Eilen, um nur zu Ende zu kommen! muß der unbefangene Beobachter ausrufen. Za, werden doch selbst während der Gebete Gespräche über irdische Angelegenheiten geführt. Und wie vielerlei störende Mißbräuche, die ich nicht aufzählen will, das Verkaufen der Gesetz-Abschnitte u. s. w., warm außerdem eingerissen! Die Predigt aber, d. h. die Belehrung über die heiligsten Angelegenheiten, wurde nur zu sehr, besonders in kleinen Gemeinden, versäumt. Und wo sie stattfand, was brachten dmn die alten Rabbiner Besseres, als die neuen, die Du so heruntersetzest,- aus dem Schatze ihres Wissens hervor, um das Volk zu unterrichten? Erklärten sie das Gesetz also, daß sie dem Volke seine Pflichten vorstellten und ihm zeigten, was in allen Lagm des Lebens recht und Gott wohlgefällig ist, damit es nicht ans Unwissenheit sündige? Oder entfalteten sie die Fülle der Tröstungen, die unsere heiligen Schriften enthalten? Nun ich will nicht sagen, daß nicht Einzelnes dergleichen in ihren Reden vorgekommen sei. Aber ihr Hauptbemühen war, ihre Gelehrsamkeit und ihren Scharfsinn durch Anführung, Vergleichung und Ausgleichung rabbinischer Aussprüche zu zeigen, woran die meistm Zuhörer, wenigstens in diesen Gegenden, nichts hattm, weil sie nichts davon verstanden; und die etwas verstanden, ergötzten sich im besten 4*