Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 1 (1845)
- Issue
- Heft 3 (März 1845)
- Date
- 1845-03-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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36 Zudenchum nennt, vorhanden sein kann, so oft auch in Predigten davon gesprochen werden mag. Die Furcht vor Gott zeigt sich in der Heilighaltung und gewissenhaften Erfüllung seiner Gebote. Nun habe ich schon angeführt, wie wenig man den Sabbath heiligt, die Speisegesetze, die doch derselbe Gott, der die Moralgesetze gab, uns auferlegt, hält man gar keiner Beachtung mehr wetth; man schilt den einen beschränktm unaufgeklärten Menschen, der sich noch daran bindet. Und wem von den Ungelehrten kann man das übel nehmm, nachdem die neuem Rabbiner in ihren Schriftm zu beweisen gesucht, daß die sogenannten Rimalgesetze wegm einer Verrichtung, die man im Staatsdienste hat, zu übertreten nicht blos erlaubt, sondern auch wirklich wahrhaft religiös sei? Doch der deutlichste Beweis, daß keine Gottesstircht vorhandm ist in dem Geschlechte unserer Zeit, ist die Behandlung, welche derThmach (die Schrift) im Ganzen erfährt. Man wirst unfern Vätern vor, daß sie über dm rabbinischen Schriften die Bibel vernachlässigt hätten; es mag etwas Wahres daran sein. Aber wie steht es denn mit der Hochachtung vor derselbm, die man zu haben vorgiebt? Zn jüdischen Häusern, wo noch von dm Bätem her Furcht Gottes ist, wird manchmal, namentlich am Sabbach, darin gelesm. Aber nun durchgehe die Häuser der Aufgeklärtm, ich muß es mit Schmerzen sagen, Du wirst außer denm der Lehrer und Prediger, die sich Berufs wegen damit beschäftigen, wohl keins finden, wo sie auch nur auf dem Tische liegt. Wenn man sich nicht unterhält, so haben die Männer ihre Zeitschriften und Zeitungen, die Frauen, Söhne und Töchter Romane. Und wenn die Tochter einer ärmern Familie diese grade nicht haben kann, so findet sie doch keinen Geschmack an den Psalmen, die etwa die Mutter in einer altjüdischen Uebersetzung liefet; aber biete sie ihr nur in einer neuen, auch dann werden sie ruhen. Ich war einmal in. einem Hause, wo ein alter Manu mit greisem Haare es mir mit Thränen klagte, daß seine Enkel ihn verlachtm, wenn er Thillim (Psalmen) sage. „Wir haben keine Zeit zum Lesen des Thmach", hört man oft als Entschuldigung anführen. Aber man würde, richtiger sagen: „Wir habm keine Lust dazu"; man strebt