Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VIII (5698) 1937/38
- Issue
- Heft 7-9 (April 1938)
- Date
- 1938-04-01
- Page
- Seite 197 (sequence 39)
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נחמיה ה i9i und nicht genug damit, daß sie selber das Volk bedrückten, auch ihre jungen Leute ließen in jugendlichem Übermut ihre Herrschgelüste am Volke aus. Er aber tat nicht also, weil er sich als jüdischer Landpfleger fühlte, dem die Furcht vor Gott oberste Verwaltungsmaxirae war. Und so entsprach es nur den Grundsäfzen seiner politischen Sittlichkeit, wenn er sich auch bei dem Aufbauwerk an der Mauer als ersten Diener seines Volkes betrachtete: nicht untätig stand er fern, während das Volk arbeitete. Weil er und seine Leute ihre Vorzugsstellung nicht benutzt hatten, sich durch Erwerb von Grundbesitz zu bereichern, stellte er sich in eine Reihe mit den Arbeitern an der Mauer und sorgte er dafür, daß auch seine jungen Leute, anders als jene aus der Zeit seiner Vorgänger, frei von jugendlicher Überheblichkeit, Schulter an Schulter mit den Arbeitern des Volkes zur Arbeit an der Mauer sich versammelten. Dabei war es eine fürstliche Haushaltung, die er aus eigenem bestreiten mußte. Zu den 150 jüdischen Beamten, die an seiner Tafel speisten, gesellten sich Nichtjuden aus der Umgegend, die nach Raschi גרים, Proselyten waren, die, offenbar angezogen durch den Glanz seines Namens und den Adel seines Wesens und Lebens, zu seinen Volksgenossen wurden und seine täglichen Gäste waren. Sie alle mußte er mit Speise und Trank versorgen. Für die Mahlzeit eines Tages mußte ein ganzer Ochse zubereitet werden; dazu kamen sechs auserlesene Schafe und Geflügel und allerlei Wein in Fülle. — Das schwierige ובין עשרת ימים wird am richtigsten wohl von Raschi erklärt: Was die Gäste an einem Tage vertranken, hätte für zehn Tage gereicht. Dagegen dürfte die Hypothese Malbims, daß Nehemia an jedem zehnten Tage gefastet habe, wohl kaum begründet sein. Mit ßaschis Auffassung erklärt sich auch das zwischen Speise und Trank eingeschobene נעשו לי: zu den Abnehmern der Fleischgänge des tagliehen Menüs gehörte auch Nehemia; der Ochse, die sechs Schafe und das Geflügel נעשו לי, die wurden auch für mich zubereitet. Im Essen vermögen wir Juden noch heute mit unseren nichtjüdisehen Mitbürgern gleichen Schritt zu halten. Gilt es aber, viel und vielerlei Wein zu trinken, dann konnten schon zu Nehemias Tagen die גרים an seinem Tische, die sich ihre Trinkfestigkeit von dazumal noch als Juden bewahrt .haben mochten, an einem Tage so viel bewältigen, wie es für Nehemia und seine Leute für zehn Tage gereicht hätte. (Wird fortgesetzt).