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Nahalat tsevi · 1938-04-01 · Heft 7-9 (April 1938) · p. Seite 170

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
VIII (5698) 1937/38
Issue
Heft 7-9 (April 1938)
Date
1938-04-01
Page
Seite 170 (sequence 12)
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auferlegt ift und bleibt. Da ift das Erlebnis von Krankheit und Tod, von Liebe und Treue, von Glück und Unglück, von Heimat und Fremde und fo viel Anderes, das wir nicht aus unterem Herzen herausreiben können. Im Mittelpunkt der jüdifchen Schule wirkt aber das jüdifdie Erleben nicht nur auch im Deutfch-Unterrieht, wie die Vertreter des Konzentrations-Prinzips etwas oberflächlich früher tagten, fondern erst recht und gerade in dem Deutfch-Unterricht, der auf dem Wege über das Menfchentum zum Judentum und zur Judenheit zu führen hat. Das mühte fich von felbft verliehen. Wenn ich es doch hervorhebe, fo ift es, um einer irrtümlichen Anfchauung entgegenzuireten, die fich vielfach auf dem Boden der jüdifchen Schule feftgefetzt hat. Man hat geglaubt, daß die Erziehung zum Judentum zweckmäßig und zielgemäß dem Religionsunterricht, dem hebräifchen Unterricht oder der Bibelkunde überlaffen werden könnte. So viel ich fehe, find fich heute alle Vertreter der jüdifchen Schule darüber einig, daß in ihrem Mittelpunkt nicht nur der Zahl, fondern auch dem Werte der Fächer nach die Erziehung zum jüdifchen Leben, Denken und Wollen zu ftehen habe. Diefe Aufgabe ift aber viel zu zentral und viel zu umfaffend, auch viel zu aktuell und persönlich, als daß fie dem doch weitgehend an Quelle und Text gebundenen Unterrieht in Judaicis überlaffen werden könnte. Die beiden haben einen verfdiiedenen Weg: Hat diefer von der jüdifchen Gefchichte und Literatur und Gefetzeslehre über das Ethos der Jugendlichen zur heutigen Situation des Einzelnen und des Volkes und der fich daraus ergebenden Forderung des Tages zu führen, fo hat der Deutfch-Unterricht von den aktuellen Problemen des Einzelnen und des Volkes auf dem Weg über den Geilt und allgemeine Erkenntniffe zur Überwindung des Schickfals und zur Treue am Judentum fähig zu machen. Noch ein Zweites aber ift es, worüber wir uns Rechenfchaft ablegen wollen. Konzentration in dem Sinne, daß im Deutfeh- Unterricht auch das Jüdifche und im jüdifchen Unterricht auch das allgemein Menfchliche zur Sprache kommt, die aber im übrigen beide getrennt läßt, trifft nicht das Ziel, das die jüdifche Schule fich fiecken muß und in erfter Linie vom Deutfch-Unterricht her anftreben muß. Diefes Ziel ift nicht bloße Verbindung, sondern Durchfetzung eines Neuen, das aus der Einheit, in der urfprünglich allgemein Menfchliches und Jüdifches verbunden lag, zu einer neuen Einheit, zu jüdifcher Haltung als menfchlicher Leiftung durchftößt.

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