Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VIII (5698) 1937/38
- Issue
- Heft 7-9 (April 1938)
- Date
- 1938-04-01
- Page
- Seite 169 (sequence 11)
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09 kende Judentum hinzuftellen. Aber es waren eben nur Ausflüchte und, wie fleh gezeigt hat, unheilvolle. Die Vernachlässigung der Schrift hat Jahrhunderte lang den Aufftieg der Karäer begründet und das Auseinanderfallen in zwei einander bekämpfende Lager verursacht, bis Saadja kam. Die Vernachläffigung der Sprache ift mit ein Hauptgrund für die Schwäche der Pofition der Religiöfen in Paläftina und die Vernachläffigung der Gefchichie hat zur Folge gehabt, daß die Graelz’lche und Dubnow'fche Gefchichfsauffaffung und Gefchichtskritik zur ״maßgeblichen* Quelle für die Beurteilung unterer Gefchichie von den erften Anfängen bis heute gilt. Jüdifche Schule in heutiger Zeit muß eben neben dem gründliehen ״Lernen", neben Tnach auch Grammatik, Sprache und Ge> fchichte zu Hauptfächern erheben. b) Der deutfehe Unterricht. Zwei Fächer gibt es in der jüdifchen Schule, wo Jugend fidi auf fich felbft befinnt. Der jüdifche Unterricht, von dem wir soeben gefprochen, geht aus von Quelle und gefchichilicher Tatsache und verhilft von da zu persönlichem Erlebnis. Ausgangspunkt des deutlichen Unterrichts fei aber die perfönliche Situation und soll in der Ausfprache mit dem Lehrer zu einer allgemeinen Erkenntnis fich verdichten. Danach würde ich vorfchlagen, dem Deutfch-Unterrichi an jüdifchen Schulen eine neue Richtung zu geben. Der deutfehe Unterricht an jüdifchen Schulen foll heute nicht mehr wie früher den Zweck haben, einen Weg zum deutlichen Schrifttum als folchem, oder zur Gefühls- und Wertewelt des deutfchen Volkes als folchen zu bahnen. Die vom Gefetz eindeutig geforderte Diffimilation fteckt unfer Gebiet für den deutlichen Unterricht so ab, daß dieser der Befinnung auf die jüdifche Gedankenwelt und das jüdifche Schickfal dienen kann. Wenn wir im Deutfch-Unterricht deutfehe Literatur und deutfche Gefchichie behandeln, fo erfcheinl fie als Teil der Weltliteratur und Weltgeschichte, als Mittel zum Verftändnis der Gefühls- und Wertewelt und des Schickfals der Menfchheit, als Weg zum .Menfchentum, das dem Juden auf dem Weg zum Judentum immer teuer sein wird. Und auch das verlangt die angelegentlichste Pflege. In uns lebt Elementares und Kompliziertes, das weniger mit unterem fpezififch jüdifchen Sein als vielmehr mit uns als Menfchen zu tun hat, was uns geiftig und feelifch mit der nichtjüdifchen Welt der engeren und weiteren Umgebung verbindet, was uns ebenfo wie ihr unerfetzbar und unverlierbar und unentrinnbar anvertraut und