Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VIII (5698) 1937/38
- Issue
- Heft 7-9 (April 1938)
- Date
- 1938-04-01
- Page
- Seite 168 (sequence 10)
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* ־s. 165 a) Der jüdifche Unter ridif. Alle Klagen Franks und Friedlanders* über die mangelnde religiöfe Erlebnisfähigkeit und den Mangel jeder echten Erziehung zur Synagoge, gehen an einem fundamentalen Wefenselement jüd. ReligioGtät vorbei. So etwas wie ״Synagoge״, d. h. einen Raum, der nur der Andacht geweiht ift, muh es gar nicht geben, und dennoch kann Judentum ganz ungebrochen gläubig leben. Aber ohne das Lehrhaus gibt es kein Judentum. Wenn die jüdifche Schule mit einem Fub in der Jefchiwa fleht, d. h. ihre Schüler über das, was fie notwendig verlangen muh, hinaus zum ״Lernen״ anregt, und unfichtbar, aber Geher jeden dazu zwingt, richtig zu lernen, dann wird das Gebet folcher Jungen auch in der Schule, auch wenn Ge keine Synagoge haben, viel bewubter und unmitleibarer sein. Der alte Satz: wo gelernt wird, foll auch gebetet werden, muh auch im Sinne des אין עם הארץ חסיד, d. h. fo verstanden werden, dab eben nur das Lernen eine nachhaltige Frömmigkeit gewährleiflet. Freilich gehört zum Lernen nicht nur das intenGve Lernen von נמרא, sondern auch, vor allem für Mädchen, das תנ״ך, und zwar ein solches Lernen, dab im Text nicht nur der WorlGnn, fondern auch die Beziehung auf das Leben, fowohl alter als auch heutiger Zeit, wie der EwigkeitsGnn überall durchfcheine. Dazu gehört auch eine befondere Pflege jüdifcher Sprache und jüdifcher Gefchichte. Es gehört zu den gröbten Fehlern jüdifch orthodoxer Pädagogik. dab gerade diese beiden Gebiete so lange und gerne vernachläffigt worden Gnd. Denn natürlich ift es nicht, dab ein Volk, das wie kein an״ deres ein Volk der Schrift genannt werden mub, und in diefem Volk gerade jene Gruppe, die die ״Schrift" heilig hält, Sprache und Schrift vernachläfflgt. Natürlich ift es nicht, dab ein Volk, das wie kaum ein anderes, um die Bewahrung seiner gefchichtliehen Geftalt gerungen hat, und in diefem Volk gerade die Gruppe, die Geh das gefchichtliche Judentum nennt, die Darftellung und Auswertung der Gefchichte, andern überlieb. Man war nicht verlegen, wenn es galt, Sprache, Schrift und Gefchichte als Eiemente zweiter und dritter Ordnung für das lebendige und wir- “) Gustav Friediänder, Jüd. Jugend zwischen Gestern u. Morgen. Heinz Frank, Gegen wartsauf gaben jüd. Jugenderziehung. Im ״Vortrupp״ Jüdischer Buchverlag, Heft 2 u. 4.