Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VIII (5698) 1937/38
- Issue
- Heft 7-9 (April 1938)
- Date
- 1938-04-01
- Page
- Seite 166 (sequence 8)
- Belongs to
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166 steigen war, hat längft ihren Höhepunkt überfchritten und wird in den gröberen Zentren nur noch durch Auflösung kleinerer auf dem derzeitigen Stand erhalten. Aber das Klaffenbild ändert (ich ständig, ein stetes Kommen und Gehen von Schülern wirkt fich notwendig hemmend auf die Arbeit in der Klaffe, wie die Situation der Elternhäuser auf die Erziehungsarbeit im Haufe aus. IIL Gegenwartsaufgaben jüdifdier Erziehung. Der Umbruch traf die jüdifche Jugend gänzlich unvorbereitet, ״in einem geradezu chaotifchen Zuftand״, wie Heinz Frank feftftellt. 5011 dieser Zuftand nicht weiter wirken, muh die Schule auf eine eindeutige Führung bedacht sein. Die Machtmittel diefer Führung können felbftverftändlich nicht im äußeren Raum liegen, fie muffen, wie die Autorität der jüdifchen Schulen in alten Zeiten, im Innern, im geiftig-feelifchen Bezirk, verankert werden. Das gilt vor allem für die charakterliche und religiöfe Erziehung. Wie notwendig eine starke, charakterliche Erziehung heute ift, wo der Glaube und das Bewußtfein eigenen Wertes so erfdiüttert ift, und die gemilchte Gefellfchaft und harte Not, die nach der Auswanderung den Jugendlichen bedroht, fo leicht verführt, ift ohne weiteres klar. Weniger einleuchtend erfcheint vielen Eltern der Wert und die Wichtigkeit der religiösen Führung. Sie erfcheint ihnen mit all ihren Verpflichtungen. die fich daraus für die Lebensführung ergeben, nur erfchwerend für die Möglichkeit des individuellen sozialen Aufftiegs und des ״Vorwärtskommens״. Dagegen müffen wir ankämpfen. Die jüdifche Schule kann fich heute, will fie ihr Wefensziel erreichen, nicht damit begnügen, durch ihre Lehrer ״laisser faire, laisser passer״, d. h. eine Sympathie für die religiöfe Lebensform zu bekunden, ohne die unreligiöse als Unrecht zu bezeichnen. Sie muß die Eltern ihrer Schüler davon überzeugen können, daß die Flucht aus dem Judentum wie fie im verfloffenen Jahrhundert in Öfterreich noch mehr als in Deutfchland vorgenommen wurde, fie dem Leben gegenüber nicht ftärker, fondern fchwächer gemacht habe, ihnen viel mehr genommen als gegeben habe, und daß diefer Sprung auch wieder zurück gemacht werden könne. Überwindung kostet es nur die Eltern; die Kinder fühlen fich unstreitig glücklicher, wie die freudige Anteilnahme zeigt, mit der jüdifche Kinder, deren Eltern ihnen nie dergleichen gezeigt hatten, die Elemente jüdifchen Wissens •und Übens in fich aufnehmen. Meinten die Eltern nicht früher, die Welt gehe unter,