Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VIII (5698) 1937/38
- Issue
- Heft 7-9 (April 1938)
- Date
- 1938-04-01
- Page
- Seite 165 (sequence 7)
- Belongs to
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165 Diefes düßere Bild soll, wie die Verfasser betonen, keine Anklage sein, auch keine Verzweiflung begründen, es will nur zeigen, wie die Wirklichkeit ist, weil man nur auf ihr eine wertvolle Arbeit aufbauen kann. Freilich: was zu tun sei, darauf geben die Verfasser keine befriedigende Antwort. Für unsere Betrachtung hier muh bemerkt werden, daß es fleh bei jenem düsteren Gemälde um jüdifche Gro&stadtjugend handelt, und zwar um solche im Alter von 14-18 Jahren, die also noch nicht die Erziehungsarbeit der jüdifchen Schule von Kindheit auf an fleh erfahren hat. Dazu kommt, daß (ich, besonders in den Großstädten, ein Typ von jüdifchen Privatfchulen herausgebildet hat, die dem Wesen und der Aufgabe der jüdifchen Schule: zur Wiederbefinnung auf jüdifche Werte und der Wieder- Verwurzelung in gefchichtlicher Gemeinfchaft zu führen, gleichgültig gegenüberfteht oder ihr direkt entgegenarbeitet. Weiter iß zu sagen, daß es selbstverftändlich noch Jugend gibt, die in der Jugendbewegung, in den Hachfcharoth und in Jefchiwoth ernst an fleh arbeitet, ihr Ziel festhält, wenn fie auch noch keinen Weg fleht. Aber trotzdem dürfen wir an dem oben skizzierten Bilde nicht achtlos vorübergehen, denn in Hachfcharoth und Jefchiwoth wird nur ein kleiner Teil erfaßt, die große Mehrzahl, fie wird mit 80°/0 nicht zu hoch gegriffen sein wird, in ihrer Haltung bestimmt durch die verständliche Tatsache, daß nicht nur das Elternhaus, sondern auch die Jugendbewegung mehr und mehr außer ftande iß, der Jugend wegweisend zur Seite zu flehen. Das ist weder die Schuld der einen noch der anderen. Dahinter steht gefpenstifch die Wirklichkeit unserer Tage. Die Frage iß: Kann die Schule hoffen, auch unter den mittlerweile wesentlich geänderten Bedingungen, ihrer Aufgabe, die ihr in einer furchtbaren Krisis jüdifcher Existenz zugewiesen wurde, gerecht zu werden? Es wird an Lehrkräften fehlen: junge, tüchtige Menfchen, gerade folche, die die Not der Jugend am eigenen Leibe gefpürt haben, wandern aus. An Mitteln wird kein Überfluß sein: die Verfchlechterung der Gemeindefinanzen nach dem Wegfall des Öffentlichkeitscharakters der Gemeinden, die Abwanderung fo vieler für die Verwaltung und die Kapitalkraß bedeutfamer Mitglieder, die Änderung der wirlfchaftlichen Verhällniffe, werden große Einfchränkungen erfordern. Die Schülerzahl, die bis vor zwei Jahren in ftändigem An-