Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VIII (5698) 1937/38
- Issue
- Heft 7-9 (April 1938)
- Date
- 1938-04-01
- Page
- Seite 164 (sequence 6)
- Belongs to
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164 für die Kinderseele und brachten fie gefchickt zum Klingen. Wertvolle pädagogifche Kräfte wandten fich in ehrlicher Begeisterung der neuen‘Aufgabe zu. Das jüdifche Gemeinfchaffsgefühl und die Liebe zu den Kindern band losgelöfte und abgeirrte Einzelgänger wieder an das grobe Ganze des gesamten Volkes. Kurz: Die jüdifche Schule versprach, Eltern, Lehrern und Schülern ein Weg zu neuem Ansatz, zu neuer Ausrichtung, zu neuer Zukunft zu werden. II. Wo stehen wir heute? Fünf Jahre find seither vergangen. Haben fich die Hoffnungen erfüllt, die wir an die grobe Stunde der so verheibungsvoll begonnenen, mit so viel Wirkungsmöglichkeiten und Mitteln ausgeftatteten Schulen geknüpft haben? So kann die Frage nicht geftellt werden. So grobe Ziele, wie fie eingangs gezeichnet wurden, lassen fich nicht in fünf Jahren erreichen. Dies ift umso weniger zu erwarten, als fich im Laufe der Zeit die Bedingungen, unter denen die jüdifche Schule arbeitet, in fchmerzlicher Weise verfchlechtert haben. Die äubere und innere Situation der Jugend hat fich mit der jüdifchen Wirklichkeit zusehends gewandelt. Die Reihe der von Schöps, Frank und Friedländer veröffentlichten Monographien haben zwar, was die Einzelheiten anbetrifft, manchen Widerfpruch erfahren, im groben und ganzen jedoch — bei aller Verfchiedenheii der Bewertung — das Gesamtbild bestäiigl, das jeder einfichtige Beobachter von der auf die heranwachsende Jugend ausgehenden Wirkung der!heutigen Situation gewinnt. Es ist das Bild einer Jugend ohne Heim und Halt, ohne Weg und Ziel. Sie ist nirgends zu Hause, nicht in der Familie, nicht in der Gemeinde, nicht im Volke. Zum weitaus gröbten Teile lebt fie nicht mehr in der Jugendbewegung und nicht in den Organisationen, die fie höchstens unterftützen dürfen; fie fühlt fich nicht der Gemeinschaft verbunden im Geift, und nicht im Glauben; fie fesselt nicht der Beruf und nicht ein tiefes Buch: Sie lebt in der Zerftreuung, da wo Kino, Eisdiele und Sportplatz den Menfchen, der nicht denken will und nichts zu sagen hat, jeder Mühe überhebt, es zu rechtfertigen. Langeweile ift das Wort, das dieser Jugendliche am häufigsten im Munde führt, denn er ift innerlich kaum zu interessieren, und wenn er auswandert, da geht er nicht als Träger jüdifchen Schicksals, sondern um ihm zu entfliehen.