Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VIII (5698) 1937/38
- Issue
- Heft 7-9 (April 1938)
- Date
- 1938-04-01
- Page
- Seite 163 (sequence 5)
- Belongs to
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163 dem Rückblick nicht versagen. Denn fünf Jahre erzieherifcher Arbeit und Erfahrung von solcher Intenfität zwingen zum Nachdenken und zu Schlußfolgerungen. Unsere Weisen bezeidmeten das Ergebnis von fünf Jahren als Maßftab von Wert und Unwert, für Erfolg und Mißerfolg, der an einen Zögling gewandten Mühe. So weit wollen wir nicht gehen, denn hier handelt es (ich nicht um einzelne, hier handelt es (ich um eine ganze Generation an der Grenze zweier Jahrtausende. I. Die große Stunde. Vor fünf Jahren war eine große Stunde der jüdifchen Gefchichte angebrochen, eine große Hoffnung auf Erneuerung des jüdifchen Kulturgutes und auf Wiederherftellung der jüdifchen Blutsgemeinfchaft auch im Geiste war aufgeleuchiet. Die Juden wachten auf. Vielleicht mehr als der Zusammenbruch der politifchen Grundlagen des jüdifchen Lebens vom vorigen Jahrhundert hatte die Erschütterung einer Weltanfchauung, an der fie mit gläubigem Vertrauen gehangen hatten, die Bereitchaft geweckt, in der Judenfrage, d. h. in der Frage nach Wesen und Wert des Judentums, umzulernen. In heiligem Eifer bemühten fie lieh, 150 Jahre jüdifcher Gefchichte zu revidieren, die ihnen jetzt, verglichen rnit der neu kennen gelernten früheren, plötzlich in ganz anderem Lichte erfchien. Aber die körperliche, geiftige und feelifche Subftanz des jüdifchen Volkes war gefährlich ausgesogen und zu Schwach zu einem neuen Ansatz. Dazu solte die jüdifche Schule verhelfen. Die bereits bestehenden Anftalten, die bisher Afchenbrödel gewesen waren, wurden Prinzessinnen, allenthalben wurden neue aufgestellt. Eine große Zahl von Schülern ftrömten ihnen zu, das Gefühl der Gemeinsamkeit des äußeren Schicksals, die innere Erfchütterung, die es hervorgerufen, die allgemeine Teilnahme, die fich allen jüdifchen Institutionen zuwandte und in der Reichsvertretung der deutfehen Juden die zentrale Sammlüng und Mobilifierung verhältnismäßig reicher Mfttel und bedeutender Kräfte fand, das alles fchuf der jüdifchen Schule einen außerordentlich günftigen Boden für ihr neues großes Ziel der Volkserziehung und Volkserneuerung. Jüdifches Wissen wurde in Häuser getragen, deren Verbindüng mit der jüdifchen Überlieferung und Gemeinfchaft fchon fast ganz abgerissen war. Die Schulen erkannten in ihrer Mehrzahl die Anziehungskraft der altjüdifchen Formen und Erinnerungen