Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VIII (5698) 1937/38
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 75)
- Belongs to
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157 Interessen, als zu seinem Ressort gehörig, tragen, überwachen und leiten, die religiösen Angelegenheiten aber jeder Kirchengemeinschaft völlig dem Gewissensdiktate der freien Beteiligung der betreffenden Kenner überlassen wird. Diese Zeit kommt gewiß, wenn nicht bald, so doch in zehn, wenn nicht in zehn, so doch in zwanzig Jahren und es tun alle, denen das religiöse Moment der Menschheit ernst am Herzen liegt, wohl daran, sich bei Zeiten auf dijese Zeit vorzubereiten, ihre Bedingungen zu antizipieren, um, wenn sie kommt, ihr mit freudigem Lächeln begegnen zu können. Denn es wird diese Zeit eine Zeit der Erschütterung, des Unterganges für viele, eine Zeit der Prüfung für alle, eine Zeit der Läuterung und Kräftigung und Neubelebung aber nur für diejenigen sein, die nicht nur ein künstliches Leben fristen, sondern ein lebendiges, ureigenes, wahrhaftiges Lebenselcment in sich tragen. Losgelöst von jeder staatlichen Stütze, nicht mehr vertreten von irgendwelchem staatlichen Machtgebot, wird nur das religiöse Moment stark genug sein, einen hingebungsvollen, opferfreudigen Kreis um sich zu vereinigen, dessen Gebot im Herzen seiner Bekenner geschrieben steht. Das wahrhaft Lebensvolle wird sich, fessellos und von allen äußeren Rücksichten unverlockt, in ganzer Fülle und Reinheit entfalten und eben in dieser freien Entfaltung Zeugnis von seiner inneren Wahrheit ablegen. Künstliehe, nur von äußerer Macht gehaltene und von äußeren Rücksichten getragene Flitterstaatsbekenntnisse werden in der freien Luft der Selbstverwaltung verkümmert zusammenbrechen. Vielleicht in keine religiöse Gemeinschaft wird diese sicherlich kommende Zeit eine größere Erschütterung bringen, als in die jüdischen Gemeinden. Sind ja in keiner also die allgemeinen religiösen Angelegenheiten ihren natürlichen Trägem gewaltsam entrückt, in keiner also künstlich und geflissentlich das Begrüß tsein bei diesen Trägem bis zum Verschwinden eingeschläfert. Nehmen wir die große Zerklüftung in religiösen Dingen noch hinzu, wo einerseits, um die Parteinamen zu gebrauchen, sich Neologe und Orthodoxe gegenüberstehen, deren Spaltung eine viel tiefere prinzipielle Kluft bildet, als zwischen irgend einer der Konfessionsverschiedenheiten innerhalb der christlichen Kirche in Wahrheit besteht; dazu die nicht geringe Anzahl der Indifferenten, denen alles Religiöse gleichgültig ist und denen irgendwelche religiöse Gemeinschaft überhaupt als etwas überflüssiges, wenn nicht vom Uebel erscheint, die alle jetzt noch durch das Postulat der Zusammengehörigkeit künstlich und gezwungen zusammengehalten werden: so kann . es nicht ausbleiben, sobald jetzt der Staat sein bindendes Machtgebot hinweghebt, werden viele jetzt bestehende jüdische Gemeinwesen haltlos auseinanderfallen, und gar viele, den Bestand dieser Gemeinwesen voraussetzende Anstalten in ihrem Bestand erschüttert werden, und begreifen wir sehr wohl, wie um das jüdisch-religiöse Gemeinwohl rechtlich besorgte Gemüter einer solchen Möglichkeit nur ängstlich gedenken mögen. Und doch glauben wir einer solchen Zeit nur mit Freuden entgegensehen, und doch in ihr die Heilung, wenn auch nicht von allen, so doch von unsemj