Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VIII (5698) 1937/38
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 46)
- Belongs to
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Ü6 Forderung, die als eine Zielsetzung des Lebens auf gef aßt werden kann. Auch in diesen Fällen geschieht es meist in Bezugnahme auf Einzelgebote, so תמים תדדה עם ה' אלקיך (V. B. M. 18, 13). Der Begriff קדושים, der wohl auch wegen der Bezeichnung גוי קדוש, als das absolute Ziel und der absolute Weg dorthin bezeichnet werden kann, steht ebenfalls in der Thora nicht isoliert da, sondern als Ueberschrift für eine bestimmte Gruppe von Geboten, nicht aber, um den Sinn des קדושים תהיו nur auf diese zu beschränken, sondern wohl, um an ihnen diese restlose Hingabe auch des Persönlichsten an den Gott der קדושה וטהרה zu veranschaulichen. Persönlichstes geben können setzt voraus, daß auch das Persönlichste durch die Erziehung erfaßt wird — sogar das natürlichste und reinste der Gefühle. Du liebst und verehrst Vater und Mutter. Doch auch dafür gibt es Grenzen•, sie Werden von Gott bestimmt. איש אמו ואביו תיראו ואת שנתתי תשמרו אני ה״ אחלקינם (III. M. 19, 3) Oder: Du willst deinem Gefühl zu Gott durch ein Opfer Ausdruck geben. Doch du darfst dabei nur so handeln und nur so denken, wie es dem Willen Gottes entspricht. Denn andernfalls (V. 8) כי את קדש ה׳ חלל; der קדושה- Charakter ist entweiht. Also sogar die reinsten der Gefühl bedürfen (manchmal) einer Läuterung. Selbsterziehung setzt Selbsterkenntnis voraus. Der Mensch, der an seiner Vervollkommnung arbeitet, wird bald darin hellhörig und feinfühlend, welche Saiten in seinem Innern bei der Erfüllung einer מצוה besonders anklingen und welche mehr und mehr stumm bleiben. Hier ist ein Ausgleich zu schaffen; die ,מצוד muß den ganzen Menschen erfassen, alle Seiten seines Wesens. Nicht dem, was dem Menschen besonders ״liegt“, wende er, was natürlich wäre, seine volle Aufmerksamkeit und Fürsorge zu, sondern gerade jenem anderen. Durch immer höhere Anforderungen, die er an sich stelle, wachse er über sich selbst hinaus. Sich vor Einseitigkeit zu bewahren, gerade auch auf religiösem Gebiet, verlangt von dem Menschen große innere Ueberwindung. Er erkenne das Schwache in sich, um es stark werden zu lassen; nur in systematischer Arbeit ist dies oft möglich. Der Mensch hat nicht das Recht, eine Schwäche (auf diesem oder jenem Gebiet des Religiösen) als etwas Gegebenes hinzunehmen und sich mit ihr als etwas Unabänderliches abzufinden. Die Allgemeingültigkeit der Thora für alle jüdischen Menschen in allen Lebenslagen und zu allen Zeiten schließt nicht die Verpflichtung