Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VIII (5698) 1937/38
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 45)
- Belongs to
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sie in ihrem Wesen und in ihrer Wirkung als Gebote auffassen, deren Wirkungsbereich ein weiteres, vielleicht unbegrenztes ist. Sie drücken den anderen Geboten einen besonderen Stempel auf. Sie sagen dem Menschen, in welcher innerer Einstellung, mit welchem Geiste und mit welchem Gefühl er diese alle erfüllen solle und schaffen so eine einheitliche geistige Sphäre für das ganze Mizwa-Leben. Sie weisen den Menschen vor allem auch auf die Form und Möglichkeit hin, wie er sein religiöses Leben bereichern und vertiefen kann. Im engen Zusammenhang damit steht ein weites Gebiet der religiösen Betätigung, das individuelle, deshalb aber nicht geringere Bedeutung für das gesamte Leben hat: das persönliche Streben nach eigener Vervollkommnung, Selbsterziehung. Auf dieses Gebiet der Selbstgestaltung und der eigenen Gesetzgebung im allgemeinen Rahmen der Thora weist (nach Ramban) die Mahnung קדושים תהיו hin. Er versteht unter נבל ברשות התורה einen Menschen, der, obwohl er die Gebote der Thora hält, doch als minderwertig anzusprechen ist, weil er in Speise und Trank nicht Maß halten kann.5) Dies ist jedoch nur ein Beispiel für die Fülle von Aufgaben der Selbsterziehung, die gestellt sind. Gott hat die Menschen in einer unendlichen Mannigfaltigkeit geschaffen und so ihnen neben den allgemeinen jüdischen Pflichten besondere, eigene zu erfüllen aufgegeben. Sie liegen in der Natur des Menschen, aber auch in den Verhältnissen, in die er seit seiner frühesten Jugend gesetzt ist, begründet. Sie sind nicht für alle Menschen gleich, aber auch nicht für jeden Menschen zu jeder Stunde die gleichen. Bald ist es das Triebhafte, bald das Rationelle,bald das Gefühlsmäßige, das im Menschen als das ihn Beherrschende besonders stark wirkt. Aufgabe der Selbsterziehung ist es nun, hier den notwendigen Ausgleich zu schaffen. Gewiß ist Selbstbeherrschung als solche wohl ein menschliches, aber kein rein jüdisches Lebensziel. Selbsterziehung jedoch zu dem bestimmten Zweck, sein ganzes äußeres und inneres Leben jederzeit und restlos in den Dienst Gottes stellen zu können und zu stellen, das ist das jüdische Lebensziel. קדושים תהיו Warum? ״. . . denn ich bin heilig.“ Das ist der Grund und das Ziel des jüdischen Lebensweges. Nur ganz selten spricht die Thora von einer allgemeinen 5 Sifra z. St.:קדושים תהיו — פרושים תהיו