Mannheim
Compact Memory

Nahalat tsevi · 1938-01-01 · Heft 4-6 (Januar 1938) · p. Seite 123

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
VIII (5698) 1937/38
Issue
Heft 4-6 (Januar 1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 123 (sequence 41)
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2551369-2551424-2551426--2888-2554417
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Entnehmen, gründet sich wohl darauf, daß דעת ה׳ und אחבת ה׳ nach vielen Stellen bei Rambam das letzte Ziel der Gebote ißt. Und nachdem die Tat-Gebote ״nur“ zu יראה führen, das doch eine Vorstufe sei, seien sie Gebote geringeren Grades. Und das müßte dann nicht nur für das ״Zeremonialgesetz“, sondern folgerichtig auch für die מצות שבין אדם לחבירו gelten, die doch ebenfalls unter den Begriff der Tat-Gebote fallen und dann nur ״Vorstufe“ wären. Doch so kann die Anschauung Rambams nicht gewesen sein. Aber wie ist denn diese Stelle aufzufassen? Aus dem übrigen Inhalte des betreffenden Kapitels ist sie nicht zu erklären. יראה umspannt einen weiten Bereich des religiösen Lebens. Ihre unterste Stufe ist die Anfangsstufe der religiösen Entwicklung. Sie findet sich in der primitiven Form beim Kinde, bei primitiven Menschen und Völkern. Doch auch für Menschen höheren religiösen Grades ist יראה eine untere Stufe, von der der Weg ausgeht, der bis zu den letzten Höhen führt, wo יראתה׳ in ihrer reinsten Form, gemeinsam mit אהבת ה׳ und דעת ה׳, zum höchsten religiösen Erlebnis wird. יראה als religiöses Gefühl a priori ist also auch Menschen eigen, bei denen das religiöse und sonstige Innenleben so wenig ausgeprägt ist, daß, wenn sich ein religiöses Gefühl regt, es sich in keinen höheren, geistigen Formen auswirken kann als in Handlungen. So ist ganz von selbst die Beziehung zwischen religiösen Handlungen und יראה gegeben. Und, wie wiederholt gesagt, eine innere religiöse Kraft, die zu einer Handlung führt, findet durch diese Handlung wieder ihre Förderung. Und diese Beziehung kann auch für die höhere Stufe von יראה gelten. Auch bei den religiös Höherentwickelten gibt es Schwankungen, Krisenzustände, wo der Mensch sich nicht imstände fühlt, seine religiöse Pflicht, zu der ihn die יראה mahnt, anders und in höherer Form auswirken zu lassen, als in tätigen religiösen Formen. An ihnen festzuhalten, sich ihnen anzuvertrauen, hilft über Schwächen hinweg. Und so schafft weiterhin יראה, auch dort, wo אהבה und דעת nicht wirken, immer wieder eine religiöse Atmosphäre. Man kann also durchaus sagen, daß יראה, die nun einmal auf Grund ihrer Bedeutung als Anfangsstufe bei der religiösen Entwicklung in engster Beziehung zu den Tat-Geboten steht, auch im weiteren Leben jenes Gefühl

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.