Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VIII (5698) 1937/38
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 35)
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Johann von Salisbury. Auf die biblische Staatsidee stützt sich der welthistorische Kampf des Papsttums gegen die Kaiser, und die Bullen Gregors VII. wie die pseudoisidorischen Dekretalen leiten ihren Anspruch in geradezu juristischer Formulierung aus den konkreten Erscheinungen des alten jüdischen Staates ab. Die verschiedensten, oft ganz entgegengesetzten Staatsanschauungen gründen ihre Ideologie auf Begriff und Wesen des biblischen jüdischen Staates, nicht als homiletische Arabeske, sondern als tief geglaubte und lebendig empfundene Idee. Vom Staatsideal der jüdischen Antike her formt Dante in der Monarchia seine Vision vom Weltkaisertum, wie er sagt ״als Heilmittel gegen die Sünde der Macht44, auf ihm baut die Staats־ lehre der Reformation, von ihm aus — 60 seltsam sind die Wege der Idee — begründet Bossuet mit glänzender Ueberredungskunst das absolute Königtum Ludwigs XIV., und auf krausen ideologischen Pfaden kommt es noch bei Stahl zum Vorschein, dem konservativen Theoretiker der preußischen Monarchie. Vom biblischen Staatsgedanken tief erfüllt, legt Cromwell die Grundlagen des modernen englischen Staates, und die amerikanische Verfassung von 1787, das Urbild der demokratischen Verfassungen von heute, ist aus einer Ideologie geboren, die mit der biblischen Staatsidee aufs innigste verknüpft ist. In säkularisierter Form, aus dem Religiösen ins Soziale transponiert, bewegen die Fragestellungen und Probleme, die der alte jüdische Staat schon bei seiner Geburt aufgeworfen hat, das 19. Jahrhundert in immer steigendem Maße, und in dem Umbruch, in dem wir heute stehen, da die gewohnten Maßstäbe fragwürdig werden, beunruhigen sie 1ms stärker denn je. Auch der neue Judenstaat wird, wenn er ins Leben tritt, dieser Problematik nicht entrinnen können. Die geheimnisvolle innere Kontinuität der jüdischen Geschichte ist durch die lange Pause des Exils nicht zerstört worden. Die zweitausendjährige Unterbrechung des staatlichen Daseins hat gewiß manches Alte endgültig begraben und manches gänzlich Neuartige heraufgeführt, mit welchem der neue Staat sich auseinandersetzen muß. Aber die beiden großen Grundtendenzen der jüdischen Staatsgeschickte 6ind wieder da, unter anderen Formen und mit anderen Repräsentanten, doch um das gleiche zentrale Problem gelagert, um das schon damals die Auseinandersetzung ging. Genau wie früher stehen sich auch heute zwei Anschauungen