Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VIII (5698) 1937/38
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 34)
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in ein erhabenes Lehrgebäude gerettet, aber sie blieb da doch mehr ein großartiges Denkmal, ohne erhebliche praktische Aus- Wirkungen auf die Wirklichkeit des Tages. Dagegen in der außerjüdischen Welt, in der Geschichte der politischen Ideen tritt sie gerade nach dem Erlöschen des konkreten jüdischen Staatswesens eine eminent fruchtbare Wirksamkeit an, deren Bedeutung für die politische Gestaltung Europas noch lange nicht genügend gewürdigt ist. Ich muß es mir auch da versagen, diese geistesgeschichtliche Entwicklung eingehend zu verfolgen und mit Nachweisen zu belegen; ich kann nur das Wesentlichste mit einigen Stichworten andeuten. Das junge Christentum übernimmt die eine der Anschauungen, die in der jüdischen Staatsentwicklung wirksam waren, in der extremen Ausprägung, in der sie bei den Essäern auftrat, als radikale Staatsverneinung. Der berühmte Ausspruch des Neuen Testaments: ״Gebet Gott, was Gottes, und gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist“, der so oft als die ideale Formel für das richtige Verhältnis zum Staat gefeiert worden ist, ist keine Lösung; da ja manchmal der Kaiser fordert, was Gottes ist, und oft Gott verlangt, worauf der Kaiser glaubt Anspruch zu haben. Es ist ein rein opportunistischer Ausweg, geboren aus der völligen Gleichgültigkeit gegen den Staat. Aber das bekehrte Rom, das den Staat in die Arme der Kirche führt, heischt von den Kirchenvätern eine konstruktive Lösung. Und Augustin, der in seinem gewaltigen Werk ״Vom Gottesstaat“ diese konstruktive Lösung geben will, zeichnet das grandiose Schicksalsdrama, als welches er den Geschichtsprozeß ansieht, aus der Erinnerung an den antiken jüdischen Staat und zu seiner Idee hin. In seiner Konzeption vom Kampf zwischen der civitas dei uind der civitas mundi steht, christhch umgebogen, der historische Kampf der beiden Grundtendenzen im alten Judenstaat in neuem Gewände wieder auf. Diese augustinische Konzeption drückt der politischen und Geistesgeschichte des Mittelalters ihren Stempel auf. Sie wird von allen großen Lehrern des Mittelalters übernommen, — wie sie auch bis zum heutigen Tage die Grundläge der katholischen Staatslehre geblieben ist —, und unter allen Abwandlungen in den verschiedensten Lebenskreisen und Zeitepochen tritt ihr Kern bei allen mittelalterlichen Staatstheoretikern unverändert auf, bei Thomas von Aquino sowohl wie bei Albertus Magnus, bei Otto von Freysing wie bei