Mannheim
Compact Memory

Nahalat tsevi · 1938-01-01 · Heft 4-6 (Januar 1938) · p. Seite 115

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
VIII (5698) 1937/38
Issue
Heft 4-6 (Januar 1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 115 (sequence 33)
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2551369-2551424-2551426--2880-2554409
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

$ . M 115 ob er als unabhängiger souveräner Staat an der Gestaltung der Weltpolitik Anteil genommen und in den Gang der Weltgeschichte eingegriffen hat, so ist das wohl kaum ohne Einschränkung zu bejahen. Und wenn der englische Schriftsteller Wells jüngst in einem viel beachteten und viel kommentierten Vortrag erklärt hat, er sehe nicht ein, warum von der biblischen Geschichte so viel Aufhebens gemacht wird, sie enthalte doch nichts weiter als eine Reihe weltgeschichtlich völlig belangloser Geplänkel in einem Winkel Vorderasiens, so hat er — unter diesem Aspekt gesehen —, durchaus recht. In der politischen Weltgeschichte hat der jüdische Staat keine erhebliche Rolle gespielt. Und von diesem Standpunkt gesehen, ist das Fazit seiner geschichtlichen Existenz eigentlich ein einziges Fiasko. Aber wenn auch der Judenstaat im Reich der Tatsachen zusammenbricht, im Reich des Geistes führt er weiterhin, und nun erst recht, ein eigenes und unabhängiges Dasein. Auf den rauchenden Trümmern Jerusalems formt nun die Halacha ihre Anschauung vom Staat, baut und entwickelt sie das System des jüdischen Staatsrechts. Auf den ewigen Prinzipien des Judentums, auf den Grundlehren der Thora ruhend, aber schon bereichert und differenziert durch die bittere Erfahrung der geschichtlichen Wirklichkeit, erhebt sich da ein imposantes geistiges Gebilde, die Lehre vom jüdischen Staat in allen seinen Lebensäußerungen, sowie sie zuletzt im Kodex des Maimonides niedergelegt ist. Und es wäre eine interessante Ergänzung zu dem Ueberblick über die Wirklichkeit des antiken jüdischen Staates, — die im Rahmen dieser Betrachtung nicht gegeben werden kann —, nun in eine Darstellung seiner Theorie einzutreten, zu sehen, wie im idealen jüdischen Staat die Rechtsorganisation, die Arbeits- und Sozialverfassung, das Wirtschaftsrecht beschaffen sind, wie die jüdische Staatslehre über die Grund- und Kernprobleme des Staates denkt: über Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft, Umfang und Grenzen der Staatsgewalt, ihre Organe und Funktionen, Vereinigung oder Teilung der Gewalten, Völkerrecht, Kriegsrecht, Friedensidee, Verhältnis zu den nationalen Minderheiten. Eine gründliche, wissenschaftlich einwandfreie Darstellung des jüdischen Staatsrechts nach der Halacha würde aufschlußreiche Erkenntnisse über die Anschauung des Judentums vom Staat bringen. Im jüdischen Bereich hat sich also die jüdische Staatsidee

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.