Mannheim
Compact Memory

Nahalat tsevi · 1938-01-01 · Heft 4-6 (Januar 1938) · p. Seite 113

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
VIII (5698) 1937/38
Issue
Heft 4-6 (Januar 1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 113 (sequence 31)
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2551369-2551424-2551426--2878-2554407
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

113 Kriegsheld lind Diplomat, der erfolgreichste Mehrer des Reichs, Wortführer des Sadduzäertums auf dem Gipfel seiner Entwicklung, und auf der anderen Seite Simon ben Schetach, der Vorsitzende des Synhedrions, der stärkste politische Vertreter des Pharisäertums. Ein Sklave des Königs hat einen Mord begangen, und da der Sklave vermögensrecihtlich keine voll rechtsfähige Person ist, wird sein Herr, also der König, vom Gericht zur Rechenschaft gezogen und aufgef ordert, der Verhandlung gegen seinen Skia״ ven beizuwoihnen. Nach der jüdischen Prozeßordnung haben Angeklagte und Zeugen die Fragen des Gerichts stehend zu beantworten, und Simon ben Schetach als Vorsitzender des Gericihtshofes richtet an den König die Aufforderung: ינאי ״ המלך עמודSteh auf, König Jannai, vor der Majestät des Gerichts, den Vertretern dessen, auf dessen Geheiß die Welt geworden ist.“ Aber der König bleibt sitzen — und erklärt, er werde dem Spruch nicht eher Folge leisten, bis nicht alle Mitglieder des Gerichtshofes ihm zustimmen. Si־ mon ben Schetach befragt die Beisitzer, er wendet sich nach rechts, er wendet sich nach links, — aber alle kehren ihre Gesiebter ab, sie enthalten sich der Stimme, denn sie fürchten die Rache des Königs. Seit diesem Tage, erzählt der Talmud, wurde die Vorschrift, daß die jüdischen Könige der öffentlichen Gerichtsbarkeit unterstehen, מלכי ישראל דנין אותם, zwar nicht aufgehoben, aber angesichts der tatsächlichen Verhältnisse suspendiert, — und damit ein Grundpfeiler des jüdischen Staatsrechts, die Unterordnung der Staatsgewalt unter die unabhängige Justiz, untergraben. Und auch die andere Episode, welche der Talmud Jeruschalmi berichtet, hat die Gestalt Simon ben Schetachs zum Mittelpunkt. Simon ben Schetach, ein Richter von imbestechlieber Strenge, hat einst in Askalon achtzig Verbrecherinnen an einem Tage hinrichten lassen. Die Freunde der Hingerichteten, um sich an dem verhaßten Richter zu rächen, dingen zwei falsche Zeugen, die den Sohn Simon ben Schetachs eines todeswürdigen Verbrechens bezichtigen. Auf die formgerechte Aussage der beiden Zeugen hin verurteilt der Gerichtshof unter dem Vorsitz Simon ben Schetachs dessen Sohn zum Tode. Aber der Verurteilte beteuert so eindrucksvoll und beweist so einleuchtend seine Unschuld, daß die falschen Zeugen, gerührt und von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.