Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VIII (5698) 1937/38
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 30)
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112 abhängigen souveränen jüdischen Staat ins Leben rufen, bricht der alte Gegensatz der historischen Grundtendenzen in voller Schärfe wieder auf. Was sich früher in Gestalt der Könige und Propheten gegenüb er gestanden hat, das tritt jetzt in den Lagern der Hellenisten und Chassidim, dann der Sadducäer und Pharisäer zum Entscheidungskampf an. Es ist ein erbarmungsloser Kampf von einer Erbitterung und Vehemenz, die atemraubend ist. Unversöhnlich stehen sich die beiden Lager gegenüber. Die ganze fernere Entwicklung des jüdischen Staates bis zu seinem Untergang steht im Banne dieses fundamentalen Gegensatzes, der den Staat von innen her auf reißt, und bei dem es keinen faulen Frieden geben kann. Denn es geht hier nicht um einen Anteil an der Macht, es geht hier nicht um die eine oder die andere Form der Ausgestaltung des Staates, sondern es geht hier um das Wesen des Staates selber, um seinen Wert, um seinen Sinn, um seine letzten Grundlagen. Die Sadducäer glauben an den Staat als selbstherrliches autonomes Wesen, das sich in natürlichem Lebensdrang unbekümmert seinen Weg durch die Geschichte bahnt, die Pharisäer aber wollen ihn eingeordnet wissen in die heilige Idee des Brith, des ewigen Bundes mit Gott. Darum gibt es keine Brücke zwischen diesen beiden Auffassungen, keinen modus vivendi, keine gemeinsame Ebene, auf der sie ein Stück Wegs Zusammengehen könnten. Was die Pharisäer manchmal treiben, ist genau wie das, was die Propheten oft getan haben, nach unseren Begriffen mit den elementarsten Prinzipien der Staatstreue nicht zu vereinbaren. Die defaitistisehen Parolen, die sie, wie früher die Propheten, in Zeiten der schwersten Krisen ausgeben, würde die radikalste Oppositionspartei nirgends auszusprechen wagen. Und was sie, wie vor ihnen die Propheten, predigen, ist oft ein einziger Hochverrat. Ich kann es mir ersparen, die verschiedenen Etappen dieses dramatischen weltanschaulichen Ringens hier einzeln aufzuführen; es dürfte genügen, an Stelle einer Aufzählung vieler Tatsachen zwei talmudische Berichte wiederzugeben, zwei Episoden von besonders starker Symbolkraft, welche die innere Dialektik des damaligen jüdischen Staates mit anschaulicher Prägnanz deutlieh machen. Sie spielen beide in der Blütezeit des hasmonäischen Staates, und als dramatis personae stehen einander gegenüber zwei repräsentative Gestalten der Zeit: König Alexander Jannai, der glänzendste hasmonäische Fürst, der große