Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VIII (5698) 1937/38
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 29)
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Itl Geschichte, Juda aber, das den Staat gebändigt hätte, übersteht die Katastrophe von 586 und kehrt ab erneuertes und mit frischen Lebenskräften wiedergeborenes Volk in die Heimat zurück. In der folgenden Epoche, unter dem persischen und ptolemäisehen Regime, kommt der Gegensatz der Staats״־ anschauungen zürn Schweigen. Eingegliedert in das persische Imperium als Teil einer Satrapie, entsagt der neue jüdische Staat außenpolitischen Ambitionen und widmet sich ganz, im Besitz einer sehr weitgehenden Autonomie, dem friedlichen wirtschaftlichen und kulturellen Aufbau. Liegen im Anfang, unter Josua und Serubabel, geistliche und weltliche Gewalt noch in verschiedenen Händen, so werden sie nach dem großen Reform־־ werk Esras in der Person des Hohepriesters vereinigt. Eine lebensverbundene theokrätische Republik entsteht, in welcher die Weisen Herrscher sind und die Herrscher weise. Ueber dem Hohepriester steht als gesetzgebende Schicht der Kreis der Sophrim, der Schriftgelehrten, keine Priesterkaste, keine interessengebundene Bürokratie, keine beamteten Rabbiner, sondern ein Stand von freien Gelehrten, eine unabhängige demokratische Intelligenz. Sie schaffen sich in der Knesseth Hagdolah, in der Großen Versammlung, die höchste gesetzgebende und gerichtliehe Instanz, welche das gesamte äußere und innere l eben der Nation nach Maßgabe der Thora als der anerkannten und geltenden Staatsverfassung regelt. Wir wissen nicht viel über diese Zeit, jedenfalls scheint es, daß diese Epoche, die Zeit zwischen dem 6. und dem 2. Jahrhundert, eines der harmonischsten Zeitalter gewesen ist, welche die jüdische Geschichte kennt. In dieser Epoche wurde das geistig'e Antlitz des jüdischen Volkes deutlicher und konziser geprägt. Das kanonische Schrifttum wurde geordnet, die Halacha entwickelte die überlieferten Lehr ren zu einem vielschichtigen Geistesleben, der Midrasch öffnete einen neuen seelischen Bereich religiöser Gefühlstiefe. In Seitener Einmütigkeit und Geschlossenheit arbeiteten alle Kräfte der Nation an der Formung und inneren Durchbildung des Thoravolks. Aber wie die Makkabäer über die Wiederherstellung der von den Seleuciden bedrohten inneren Freiheit hinaus den ün-