Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VIII (5698) 1937/38
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 28)
- Belongs to
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Aber in dieser Blüteperiode unter Salomo, in welcher der jüdische Staat alle seine Möglichkeiten auslebt, zeigen sich auch schon die Anzeichen des Verfalls. Der Kulminationspunkt der Entwicklung bringt auch schon den Umschlag. Und die Reichstrennung, um 930, läßt dann die beiden Tendenzen, die eine Zeitlang ungeschieden im gleichen Strombett Zusammenflossen, wieder in Kampfstellung zum Vorschein kommen. In beiden Reichen, dem nördlichen wie dem südlichen, in Israel und Juda, steht gegen das weitläufige Königtum und das mit ihm verbündete Priestertum der Pr ophet als Vertreter der eigenständigen jüdischen Idee. In dem Maße aber, in welchem in den beiden Staaten die eine oder die andere Idee die Oberhand gewinnt, werden die beiden Staatsgebilde selber zu objektiven Verkörperungen der verschiedenen Auffassungen vom Staat. Das Nordreich, Samaria, verwirklicht die Idee des reinen politischen Staates, es spannt sich ein in den internationalen diplomatischen Betrieb und tritt als gleichberechtigtes Glied in das Mächtekonzert Vorderasiens ein. Es ist bedeutender, glänzender und moderner als das karge, konservative, provinzielle Juda, das, isoliert von den großen Verkehrsstraßen und der Weltpolitik, nichts anderes aufzuweisen hat als eine kontinuierliche Dynastie und das Nationalheiligtum in Jerusalem. Auch der judäi&che Staat wird verstrickt in das internationale diplomatische Spiel, aber seine Propheten bewahren ihn davor, sich so ganz wie das Nordreich an die Weltpolitik zu verlieren. Die mächtigen Gestalten Jesaias, Michas, Jeremias zeichnen ihm immer wieder die Grenzen seiner Wirksamkeit vor und prägen dem Volk, gegen die Auffassung der Dynastie und gegen die offizielle Politik, ihre Anschaumig vom Wesen des jüdischen Staates in Herzen und Hirne ein. Den Staat nicht als ein nur von Gruppeninteresse und Machtinstinkten getriebenes Gebilde zu begreifen, das im Kampf um die Macht seine höchste Aufgabe sieht, sondern als Gefäß der göttlichen Herrschaft auf Erden, als irdischen Raum zur Erfüllung des göttlichen Willens;, als Stätte der Gerechtigkeit und Menschenliebe, das war die große Lehre, die sie unermüdlieh kündeten. Als im Jahre 720 Samaria dem Ansturm der assyrischen Eroberer erliegt, ist mit dem Untergang des Staates, der sein Alles war, auch das Schicksal des nordisraelitischen Volkes besiegelt. Die zehn Stämme verschwinden spurlos im Dunkel der