Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VIII (5698) 1937/38
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 26)
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104 Von euren Schafen wird er den Zehnten erheben. Ihr selbst aber werdet seine Knechte werden.“ Das ist nicht auf eine bestimmte Person abgestellt, denn noch ist gar kein bestimmter Anwärter in Aussicht genommen. Es ist gewiß, daß sich das Volk in freier Wahl einen König küren wird, der allen Anforderungen eines guten Herrschers entspricht. Aber Samuels Warnung führt ihnen die Institution des selbstherrlichen Königtums an sich, das Wesen des rein politischen, souveränen Staates vor Augen. In diesen biblischen Partien: im Gidonspruch, in der Jothamfabel und in der Mahnrede Samuels, ist das Letzte und Tiefste über den Staat ausgesagt. In diesen einfachen lapidaren Sätzen ist schon in nuce die ganze Problematik des jüdischen Staates enthalten, hier ist das Motiv angeschlagen, das fortan die jüdisehe Geschichte begleiten wird. Die Entscheidung fällt gegen Samuel. Denn die Stämme haben anscheinejnd recht mit ihrer Forderung. Die politischen und mili,־ tärischen Gründe, die hinter ihr stehen, sind zwingend und evident. Und Samuels Weigerung scheint absurd; sie scheint gegen alle politische Vernunft, gegen die Zeit, gegen die Entwicklung. Die göttliche Stimme — befragt — heißt ihn dem Volk seinen Willen tun. Tief bezeichnend für das Judentum, das lehrt, daß keine Lebensform schlechthin verwerflich ist, daß jede zur Be- Währung auf gegeben ist und daß jede Möglichkeiten in sich birgt, nach denen sie auf rechte Art gelebt werden kann. Und einen Augenblick, eine kurze Weltminute lang scheint es, als ob Samuels Befürchtungen übertrieben waren, als ob diese Balance auf schmalem Grat zwischen dem Dienst an Gott und an der Welt, vor deren Verlust ihm so bange war, sich doch erhalten ließe. Ein mächtiger Staat entsteht, breit ausladend in der ganzen Fülle des nationalen Daseins, mit Geltung und Glanz, und der doch Gott als den wahren König ausruft und seinem Wort eine Stätte bereitet. Und wenn das Volksgedächtnis die Davidische Epoche als das Goldene Zeitalter der jüdischen Geschichte bewahrt hat, so spricht dabei das Empfinden mit, daß hier jene glückliche Synthese erreicht war, daß dieser König bei aller Härte in der Durchführung der notwendigein politischen Aufgaben zugleich der begnadete, heilige Sänger des jüdischen