Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VIII (5698) 1937/38
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 23)
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105 um derentwillen mich Götter und Menschen preisen, und hingehen, um über den Bäumen zu schweben? Da sprachen die Bäume zum Feigenbaum: Wohlan, sei du König über uns! Aber der Feigenbaum sagte: Soll ich etwa meine Süßigkeit und meine köstliche Frucht lassen und hingehen, um über den Bäumen zu schweben? Da sprachen die Bäume zum Weinstock: Wohlan, sei du König über uns! Aber der Weinstock erwiderte: Soll ich etwa meinen Most lassen, der Götter und Menschen fröhlich macht, und hingehen, tun über den Bäumen zu schweben? Da sprachen die Bäume alle zum Stechdorn: Wohlan, so sei du König über uns! Der Stechdorn aber erwiderte den Bäumen: Wenn ihr mich im Ernste zum König über euch salben wollt, so kommt und bergt euch in meinem Schatten! Wo nicht, wird Feuer vom Stechdorn ausgehen und die Gedern des Libanon verzehren!“ Diese Fabel nennt Buber die stärkste antimonarehische Dichtung der Weltliteratur. Aber sie ist mehr als das. Sie ist die stärkste Anklage gegen den Staat überhaupt, gegen das Prinzip des Staates als rein politische Institution, als Gott nicht unterworfene Zwangsgemeinschaft. Angesichts des frisch vergossenen Blutes seiner Brüder, als lebendiger Illustration zu dem unheimlichen und zwangsläufigen Wirken der Staatsräson, verneint Jotham die Existenzberechtigung des rein politischen Staates. Der Machtstaat darf nicht sein. Der Mensch soll nicht über Menschen herrschen. So wie der Zustand der Stammesverfassung ist, so ist sie gut, so soll sie bleiben. Die Stämme entfalten sich und blühen, jeder in seinem Bereich, jeder nach seiner Sonderart, wie Oelbaum, Weinstock und Feigenbaum, in konzentrischen Kreisen sich aufbauend auf den natürlichen Ordnungen des Lebens, auf der Familie als sozialer Grundeinheit, auf der Großfamilie, der Sippe, dem Stamm; nach der Logik des beruflichen Lebens, auf der Ackergemein- Schaft, der Arbeitsgenossenschaft, sich organisch zusammenfügend zu einem Volk, verbunden allein durch eine Idee, einen Glauben, eine gemeinsame Kultur, und keinem anderen Oberherrn unterstehend als Gott. Eine Eidgenossenschaft eher als ein Staat, nach Max Webers Ausdruck, oder, wie andere es formuliert haben, ein ״Gemeinwesen ohne (menschliche) Obrigkeit“. Für die Befriedigung der religiösen und kulturellen Bedürfnisse scheint Jotham die Existenz eines politischen Macht-