Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VIII (5698) 1937/38
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 22)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2551369-2551424-2551426--2869-2554398- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
104 seinem ״Königtum Gottes“ deutlich herausgestellt — ein charismatischer Führer, Träger nicht eines Amtes, sondern einer Berufung, gebunden an einen Auftrag, der ganz auf die Person abgestellt, ganz aus der eigentümlichen historischen Situation hervorgewachsen, einmalig und nicht übertragbar, nicht fortsetzbar und nicht vererbbar ist. Das Richtertum ist sich in seinen bedeutendsten Vertretern dessen durchaus bewußt und steht daher in ausgesprochenem Gegensatz zu jener anderen, immer stärker werdenden Tendenz, die den Staat verankern will in einer permanenten Institution, in einem erblichen Königtum nach der Weise der Völker, wie es in der Thora erwähnt ist. Die Kontroverse zwischen den Tannaiten R. Nehorai und R. Jehuda über Sinn und Charakter der Königsvorschriften in der Tihora spiegelt diesen tiefgehenden Gegensatz auf der halachischen Ebene wieder. Dieser Gegensatz offenbart sich zuerst ganz deutlich im Zeitalter des Richters Gidon-Jerubbaal. Nach den siegreich beendeten Kriegen treten die Stämme an Gidon heran und tragen ihm die erbliche Königswürde an. Aber Gidon-Jerubbaal lehnt grundsätzlich ab: ״Nicht ich werde über Euch herrschen, nicht mein Sohn wird über Euch herrschen, Gott soll Euer Herrscher sein.“ Der Gott, der gesagt hat: ״Meine Knechte sollt Ihr sein, nicht aber Knechte von Knechten“. Zwei Tendenzen stehen in dieser Erzählung in voller Ausprägung gegenüber, die aus der jüdischen Geschichte nicht mehr weichen werden. Und sie finden eine ungeheuer plastische und eindrucksvolle Darstellung in dem biblischen Bericht, der sich unmittelbar an diese Erzählung anschließt, in der Geschichte von Abimelech und Jotham. Der Sohn Gidons, Abimelech, die Verkörperung des rein politischen Staatsprinzips, extremer Verneiner der Lehre seines Vaters, bringt seine siebzig Brüder mit einer Ausnahme um und läßt sich zum König ausrufen. Aber der eine der Brüder, Jotham, der wahre geistige Erbe Gidon- Jerubbaals, dem es gelungen ist, vor dem Mordbeil zu entweichen, sammelt die Gegenkräfte und hält vom Gipfel des Berges Garisim seine mächtige Anklagerede, die berühmte Fabel von den Bäumen: ״Einst gingen die Bäume hin, einen König über sich zu salben, und sie sprachen zum Oelbaum: Sei König über uns! Aber der Oelbaum sagte: Soll ich etwa meine Fettigkeit lassen,