Mannheim
Compact Memory

Nahalat tsevi · 1938-01-01 · Heft 4-6 (Januar 1938) · p. Seite 93

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
VIII (5698) 1937/38
Issue
Heft 4-6 (Januar 1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 93 (sequence 11)
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2551369-2551424-2551426--2858-2554387
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

u ist nichts als schlimmste Veräußerlichung und Versteinerung des Agudismus, wenn er in demonstrativ leerem Festhalten an einem Prinzip, das ein Prinzip der Tat und nicht ein Prinzip der Un- Tat, ein Prinzip der Rettung und nicht ein Prinzip der Verzweiflung oder der kalten Preisgabe sein möchte, nur scheinbar sich selbst konsequent bleibt, in Wahrheit aber sich zum Selbstzweck setzt und in völliger Tatenlosigkeit die Pflicht der Stunde versäumt. Nicht Agudismus und Trennung, sondern Agudismus und Alleinherrschaft der Thora ist gleichbedeutend. Nicht namens einer Partei, sondern namens des der Thora auf ewig unterworfenen gesamten Volkes fordert der Agudismus die Alleinherrschaft der Thora. Der Agudismus schreitet zur Trennung und selbständigem Aufbau, wenn die Alleinherrschaft der Thora dazu zwingt. Er schreitet zur Kräftekonzentration bis zur Selbstauslöschung, wenn der Kampf um die Alleinherrschaft der Thora nach Zeit und Ort sinnvoll nur so geführt werden kann. Wann immer und wo immer sich der Agudismus als Hemmschuh im Kampf um die Alleinherrschaft der Thora erweist, bildet diese höchst jammervolle Erscheinung nicht eine Instanz gegen ihn, sondern gegen die — Agudisten. Die Gefahr, daß man sich dem jüdischen Staat gegenüber nicht anders verhalten wird als gegenüber der jüdischen Stadt, ist keineswegs von der Hand zu weisen, namentlich wenn der jüdische Staat sich einst auf — Jeruscholajim erstrecken sollte. Gar nicht früh genug kann davor gewarnt werden. Der Rabbinische Rat hat in Marienbad, nicht ohne Ueberwindung von Gegenströmungen, den beachtenswerten Beschluß gefaßt, daß bei aller Verwerfung eines jüdischen Staates, der sich nicht vorbehaltlos der Herrschaft der Thora unterwerfe, die Aguda den Kampf um die Herrschaft der Thora auch innerhalb und nicht nur außerhalb des jüdischen Staates zu führen habe. Damit hat der Rabbinische Rat volles Verständnis für die rechtliche und faktische Unmöglichkeit des Austritts aus dem Staat gezeigt und die Aguda ihm gegenüber nicht nur zu tatenlosem Protest, sondem zu tatkräftiger Arbeit an dem hohen Ziel seiner allmähliehen Eroberung für die Thora verpflichtet. Aber gilt nicht durchaus das gleiche für die jüdische Stadt? Und wäre es nicht die beste Vorbereitung für den Kampf um den Staat, wenn der Kampf um die Stadt unverzüglich begönne? Hier wie dort muß es zu einer Thorafront kommen. Hätte die Aguda die moralische

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.