Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VIII (5698) 1937/38
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 7)
- Belongs to
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59 öffentlichen Diskussion gemacht werden, aus der er sich langsam zum Tageslicht emporringen soll. Wir haben einfach die Zeit nicht dazu! Es müßte umgehend eine Kommission eingesetzt werden, bestehend aus wenigen anerkannten rabbinischen Autoritäten, einigen Juristen und Männern der Wirtschaft, die sämtlieh Land und Leute und Dinge kennen, und diese müßten den Entwurf mit größter Beschleunigung ausarbeiten, damit er zur Basis von Verhandlungen diene. Die Kommission müßte vermöge ihrer Zusammensetzung Gewähr dafür bieten, daß ihr Geistes־ kind den agudistischen Anforderungen entspricht. Großspurige Tagungen wirken nur verzögernd, und der Gegenstand ist so schwierig und neuartig, daß eine Einigung vieler Köpfe entweder von vornherein ausgeschlossen oder doch wenigstens in der Eile nicht zu erwarten ist, die uns die Situation unbedingt gebietet. Aber selbst der beste Entwurf und selbst die relativ erfolgreichsten Verhandlungen werden nicht verhindern, daß ein kommender Judenstaat uns vor Gefahren stellen wird, denen wir nicht standhalten können, falls eine Fortdauer der jetzigen gesellschaftlichen Verhältnisse im Lande als ein unabwendbares Schicksal erachtet wird. Wie immer der Staat aussehen wird, hängt die Zukunft der Thora nicht so sehr von ihm als vielmehr von der Gesellschaft, ihrer Struktur und der in ihr wirksamen treibenden Kräfte ab. Der Staat der letzten Hasmonäer und gar noch des Herodes entsprach ganz gewiß nicht den Postulaten der Thora. Aber innerhalb dieses Staates und ihm zu Trotz konnten die Peruschim, ohnmächtig im Staat, aber in der Gesellschaft tiefstens verwurzelt, eine Generation erziehen, die die moralische Kraft besaß, den Untergang des Staates durch ihre Treue zur Thora zu überdauern. Die Männer des Staates brauchen noch lange nicht die Führer des Volkes zu sein. Die Gesellschaft ist auf die Dauer stärker als der Staat. Nie dürfen wir die Zukunft der Thora dem Staat anvertrauen. Eine höchst schädliche Kurzsichtigkeit wäre es daher, wollten wir unser ganzes Interesse dem kommenden Staat zuwenden, ohne zugleich den Zustand der Gesellschaft, die diesen Staat ausfüllen soll, mit in Betracht zu ziehen. Das Höchstmaß an Zugeständnissen, das wir dem Staat abringen könnten, wäre letzten Endes wertlos, falls wir in der Gesellschaft wurzellos sind.