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Nahalat tsevi · 1937-10-01 · Heft 1-3 (Oktober 1937) · p. Seite 43

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
VIII (5698) 1937/38
Issue
Heft 1-3 (Oktober 1937)
Date
1937-10-01
Page
Seite 43 (sequence 45)
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43 daß die übliche, angeblich naive Ausdrucksweise nicht mehr störend, sondern sogar unvermeidlich ist und so ein lebendiges Verhältnis zu den höheren Welten hergestellt werden kann, so dürfte der Weg manchem eine willkommene Hilfe sein. Einen solchen Weg aufzuzeigen, möge hier versucht werden. Jeder Mensch weiß, daß er im Raume drei sogen. Dirnensionen unterscheidet, d. h. Länge, Breite und Höhe. Diese drei Richtungen stehen aufeinander senkrecht. In der Ecke eines Zimmers etwa noch eine vierte Senkrechte zu errichten, ist unmöglich. Diesen Umstand sieht jeder als absolut feststehend an. Und doch! Wie vorsichtig muß man mit einer solchen Behauptung sein. Man denke sich einmal — wie Felix Auerbach1) das in andern! Zusammenhänge ähnlich betrachtet hat — sogen. Schattenwesen, d. h. Wesen, die nur eine Länge und Breite, aber keine Dicke besitzen. Und diese etwa auf einer großen Kugel- Oberfläche lebenden Wesen besäßen auch nur eine zweidimensionale Raumanschauung, d. h. sie seien nur fähig, das zu erfahren, was in einer ebenen Fläche vor sich geht. Der kleine Teil der Kugeloberfläche, den sie übersehen, erscheine ihnen wie eine Ebene; sie betrachten ihre Fläche also als derartig, daß sich in einem Punkte nur zwei aufeinander senkrechte Geraden errichten lassen und daß Parallele sich im Endlichen nicht schneiden. Die Erfahrung um das Geschehen außerhalb dieser Fläche fehle ihnen vollkommen. Sie haben gar nicht einmal die Fähigkeit, sich eine dritte Dimension vorzustellen. Den Mangel in ihrem Vorstellungsvermögen würden sie mit einer Unmöglichkeit im Sein überhaupt gleichsetzen. Sie würden den Mangel ihrer Erkenntnisfähigkeit verwechseln mit dem Fehlen einer außerhalb ihrer Welt existierenden andersgearteten Welt. Die ihnen verliehene Erkenntnisform ist ihnen der Maßstab für das Sein als solches. Wie lächerlich würde uns dreidimensional anschauenden Wesen solche Begrenztheit und zugleich Ueberheblichkeit des Urteils erscheinen! Ihr glaubt euch sicher in eurer Welt! Eine Handbewegung könnte eure Welt zerstören. Ihr glaubt euch sicher vor fremden Blicken in euren gut geschlossenen Kreisen! Wir beobachten genau euer Tim. Ihr glaubt euch auf der Höhe der Erkenntnis bezüglich eurer Naturgesetze! Wir brauchen nur *) F. Auerbach, Die Grundbegriffe der modernen Naturlehre. B. G. Teubner, Leipzig-Berlin, p. 6.

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