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Nahalat tsevi · 1937-10-01 · Heft 1-3 (Oktober 1937) · p. Seite 42

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
VIII (5698) 1937/38
Issue
Heft 1-3 (Oktober 1937)
Date
1937-10-01
Page
Seite 42 (sequence 44)
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zunächst eine klare Abgrenzung der Gebiete vor Äugen zu halten: man muß auf dem Gebiet der Erkenntnistheorie zu Hause sein. Legt ein derart philosophisch gebildeter Kopf nun eine wissenschaftlich begründete jüdische Weltanschauung dar, so wird er wenig Leser finden, die seinen Betrachtungen mit vollem Verständnis folgen können, da ihnen ja die philosophischen Kenntnisse für das volle Verständnis fehlen. Isaac Breuer hat im dritten Buch seines ״Neuen Kusari“ die jüdische Welt- und Lebensanschauung in wissenschaftlicher Form zur Darstellung gebracht. Unter Weiterbildung der Kant’schen Erkenntnistheorie, — die ja den Ausgangspunkt für jede wissenschaftlich zulässige Metaphysik bilden muß, — nämlich durch Hereinbeziehung des Willensakts in den Akt des Erkennens, hat er die Beziehung zweier Welten zueinander in das richtige Verhältnis gesetzt. Von zwei Seiten aus hat er das Sein beleuchtet: Von der Seite der Erkenntnis- und Willensformen einerseits und vom Ding an sich, also von der Welt an sich und dem Ich an sich auf der anderen Seite. Wie wenige bringen aber das geistige Rüstzeug mit, um ihre jüdische Weltanschauung auf Grund des Studiums dieses Buches vertiefen zu können! Auf der andern Seite sind dieselben Kritiker nicht befriedigt, wenn Betrachtungen über eine höhere Welt sich der Begriffe bedienen, die man mit menschlichen Vorstellungen verknüpft. Die Sprache, die auf diesem Gebiet verwendet wird, scheint ihnen gerade nur für Kinder recht zu sein. Das Erscheinen von Engeln, das Sitzen und Sicherheben Gottes auf seinem Thron, das Ausstrecken seiner Hand und ungezählte ähnliche Formulierungen dünken ihnen zu menschlich gesprochen. Ein Zugang zur tieferen Erfassung dieser Ausdrucksweise fehlt ihnen mangels erkenntniskritischer und reHgionsphilosophischer Bildung; auf dem Standpunkt der kindlichen Vorstellung wollen sie, aber nicht stehen bleiben. Präziser ausgedrückt: Die Erfassung mit dem Denken ist zu mühsam, die Erfassung mit der Anschauung zu primitiv, weil dem transzendenten Objekt nicht gemäß. Wie kann man ihnen helfen, wie sie weiter führen? Man muß offenbar einen Weg suchen, der die Aufgabe, sich in ein philosophisches Studium zu vertiefen vermeidet und doch über die gewöhnliche Denkweise erhebt; der aus der naiven Vorstellung herausführt und doch die anschauliche Vorstellung heranzieht, um das Verständnis zu erleichtern. Wenn sich dann die Einsicht ergibt.

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