Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VIII (5698) 1937/38
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1937)
- Date
- 1937-10-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Belongs to
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3 eine seltsame Synthese: sich berauschen an den Schönheiten der klassischen Welt, sich erheben an den Wahrheiten des Sinaiwortes und seiner Ausstrahlungen, die Welt zu schauen mit den Augen des Psalmensängers und in sie einzudringen mit dem Spaten und scharfen Blick einer in ungeahntem Aufschwung forsehenden Naturanschauung und Naturerkenntnis, mit Dampf und elektrischer Kraft den Raum zu durchmessen und gleichzeitig den gemächlichen Schritt der Wallfahrt nach Jerusalem in Rückblick und Vorschau zu erleben, ganz ein Kind seiner Zeit zu sein und trotzdem der verheißungsvoll und fest verheißenen Zukunft des eigenen Volkes nicht zu vergessen. Da gab es zwei Möglichkeiten; entweder ein schiedlich-friedliehes Nebeneinander oder ein harmonisches Ineinander von Tradition und Gegenwart. Dieses Ineinander kennzeichnet unseren Jubilar. Mehr zu sagen verbietet uns seine Bescheidenheit. Aber weit über diese Geschlossenheit einer Persönlichkeit in ihrem eigenen Wert wirkt eine solche Tatsache für die Generation, die sich an ihm emporrichten darf. Nicht allzu zahlreich sind solche Beispiele, aber sie befruchten segnend in ihrer zwingenden Kraft. Sie sind eine Bejahung des Wollens und der Erkenntnis der Eltern, die ihr Kind in dieses Problem hineinstellten, sie sind eine Bestätigung der Anschauung der führenden Meister, welche diese Synthese für möglich hielten, und sie legen den Persönlichkeiten, welche ungefährdet diese Synthese in sich vollzogen, die Bedeutung der Geschichtlichkeit bei. Denn warum es leugnen? Der weitaus größere Teil der Judenheit in Deutschland hatte an diesem Versuch Schiffbrueh gelitten. Das Ende des 19. Jahrhunderts bedeutete dem ersten Anschein nach den Untergang der alten Traditionstreue in der Judenheit Deutschlands, ein sieghaftes brudermordendes Vorwärtsdrängen der Reform. Wie auf eine selige Insel mußte sich die Orthodoxie in ihre eigenen Gemeinden flüchten, noch dazu diffamiert als Separatisten. Es war ein außerordentlich schweres, verantwortungsvolles Erbe, das der Jubilar antrat, als er durch Uebernahme des Rabbinats der Gemeinde seines Onkels זצ׳ל, der Adass Jisroel in Berlin, sich in den Mittelpunkt dieser Kämpfe gestellt sah. Diese Aufgabe wurde noch bedeutend komplizierter, als allmählich an Stelle der brutalen Kämpfe Verlockung und Annäherung trat, die Aufgabe ist ferner fast unlösbar geworden, als diese Annäherung sich wieder brutalisierte und mit der Kraft der materiellen Not und der materiellen Hilfe arbeitete. Da er-