Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 10-12 (Juli 1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- Seite 272 (sequence 22)
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272 hiesigen Bürger mosaischer Religion, die Berufung eines Rabbiners an die von denselben gegründete jüdische Religionsgemeinde betreffend.“ Der Wortlaut der Eingabe lautet: Hoher Senat! Die Unterzeichneten Bekenner des Mosaischen Glaubens haben sich von der dahier bestehenden jüdischen Religionsgemeinde losgesagt und eine neue religiöse Gemeinde gebildet. Zu diesem Schritte sind dieselben durch ihre religiösen Ueberzeugungen und das Verhalten des jüdischen Gemeinde- Vorstandes und ganz besonders des jetzigen Rabbiners zu diesen ihren Ansichten gedrängt worden. Die Unterzeichneten, wie sehr viele hiesige Israeliten, gehören der streng-gläubigen Richtung des Judenthums an, welche auf die heiligen Schriften und die Traditionen als Glaubensnormen sich gründet. Diese Richtung, so wie überhaupt jedes positive Element im Judenthum ist seit Jahrzehnten von dem Vorstände der jüdischen Gemeinde überall, im Gottesdienste und in der Schule, bekämpft worden, um an die Stelle wahrer Rehgiosität eine neue Lehre zu setzen, welche zwar von dem Judenthum den Namen entlehnt, im Grunde aber nichts anderes als eine sogenannte ״reine Sittenlehre“ ist. Alle Bemühungen der strenggläubigen Gemeindeglieder, dieses Beginnen zu verhindern, waren erfolglos, da auch in religiösen Fragen der Gemeindevorstand im Sinne der Mehrheit entschied, und diese leider meist aus ungläubigen Personen bestand. Die schon vor Jahren von den strenggläubigen Gemeindegliedem gewünschte zeitgemäße Umgestaltung des Gottesdienstes im Sinne wahrer Religiosität nach ‘ dem Vorgänge anderer bedeutender Gemeinden, welche Reform der Vorstand in Gemeinschaft mit dem damaligen Rabbiner und den Inhabern der Plätze in der großen Synagoge ins Leben zu rufen gebeten worden war, scheiterte an dem -Widerstande des Gemeindevorstandes, indem man es vorzog, das mangelhafte Bestehende zerfallen zu lassen, um später etwas ganz Neues an die Stelle zu setzen. Die erledigten Stellen des früher aus vier bis sechs Personen gebildeten Rabbinats wurden nicht wieder besetzt; das Gesuch vieler Gemeindeglieder um Anstellung eines mit allen der jetzigen Zeit entsprechenden Kenntnissen versehenen, rechtgläubigen Rabbiners wurde entschieden ab gewiesen, und als endlich das Rabbinat bis auf einen alten 80 jährigen Mann zusammenge-