Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 10-12 (Juli 1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- Seite 267 (sequence 17)
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M schehen blind. Wer diesen Blick besitzt, aber die Thora nicht kennt, sieht zwar, aber er sieht falsch. Es gibt freilich Zeiterscheinungen, die auch ohne Bemühung des geschichtlichen Sinnes ohne weiteres am Maßstab der Thora zu sofortiger und endgültiger Aburteilung zu gelangen haben. Das sind Erscheinungen, deren Thorawidrigkeit gewissermaßen zeitlos ist. ״Der Lügenprophet“ ist das typische Beispiel. Und sprächen selbst Zeichen und Wunder für ihn —: ״höre nicht auf die Worte dieses Propheten oder auf diesen Traumesträumer, denn es erprobt euch nur Gott, euer Gott, um zu wissen, ob ihr wirklich liebet Gott, euren Gott, mit eurem ganzen Herzen und eurer ganzen Seele.“ Solche Zeiterscheinungen konnten uns schmerzliche Verluste bringen; wirklich gefährlich waren sie uns nie. Aber es gibt auch Zeiterscheinungen, deren Thorawidrigkeit oder zum mindesten Thoragefährlichkeit ohne weiteres einleuchtet, bei denen sich aber die Frage auf wirft, ob ihnen diese Merkmale wesenhaft sind, so wesenhaft, daß sie ohne sie gar nicht möglich wären, oder ob nicht vielmehr die Merkmale der Thorawidrigkeit oder Thoragefährlichkeit selber nur zeitgeboren, nur zeitgebunden sind, so daß die Zeiterscheinungen von ihnen befreit, von ihnen gereinigt und geläutert und damit der Thora dienstbar gemacht werden könnten. Es ist die Frage, ob nicht am Ende die Bedeutung dieser Zeiterscheinungen viel weiter reiche, als die Bedeutung der ihnen anhaftenden thorawidrigen oder thoragefährlichen Merkmale, ob nicht letztere vielleicht gar nicht dem ״Werdenden6 ‘,sondern ganz im Gegenteil dem ״Vorgehenden“ angehören, unsere Aufgabe aber gerade darin liege, das in ersterem enthaltene ״Wartende“ aufzugreifen und in entschlossenem Kampf gegen die letzteren allmählich durchzusetzen. Keine Lüge ist gefährlich, die nichts als Lüge ist. Gefährlich ist eine Lüge nur, wenn sie einen Wahrheitskem in sich birgt, ihn aber derart mit der Lüge verstrickt, daß die Scheidung nicht ohne Schwierigkeiten möglich ist. Ist dieScheidüng überhaupt nicht möglich, so war auch der Wahrheitskern nicht echt. Denn niemals geht die Wahrheit mit der Lüge eine unauflösbare Verbindung ein. Ist aber die Scheidung möglich, so muß sie unter allen Umständen vorgenommen werden, soll nicht die mit einem Wahrheitskem ausgestattete Lüge zu einer unermeßlichen Gefahr, zu einem unbesiegbaren Verderben sich 11 ■MiiKil־ Üfrt־*’,