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Nahalat tsevi · 1937-04-01 · Heft 7-9 (April 1937) · p. Seite 347

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
VII (5697) 1936/37
Issue
Heft 7-9 (April 1937)
Date
1937-04-01
Page
Seite 347 (sequence 73)
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Reichshauptstadt bekannt, daß im übrigen geeignete Lehrstellen mehrere Male, obwohl die Leistungen absolut zufriedenstellend waren, dem Reflektanten darnm versagt wurden, weil er den Sabbath nicht preisgab. ״Wenn Sie solch mittelalterliche Ansicht haben, dann werden Sie Steinklopfer und gehen Sie wie־־ der von Berlin weg!“ so lautete wörtlich im Jahre 1937 der liebenswürdige Bescheid eines jüdisehen Handwerksmeisters. Hier wäre der Punkt, an dem das ״Israelitische Fami- 1 i enb 1 a 1t“ b eis p ie ls weis e einzusetzen hätte, wenn es die Frage aufwirft, wie man die Jugend jüdisch beeinflussen könnte. IV. Aus Zürich kommt die er־־ freuliche Kunde, daß die dortige jüdische Hauptgemeinde beschlossen hat, die Orgel aus ihrer Synagoge zu entfernen. Der Be- Schluß wurde in einer Gemeinde- Versammlung mit 177 gegen 62 Stimmen gefaßt. Bei dem Be- Schluß mögen eine Reihe von Motiven mitgewirkt haben, vor allem die Initiative des Rabbiner Taubes, ferner die Einstellung des zionistischen Gemeindeflügels, in erster Linie wohl aber die Erwägung, die auch offiziell von den Vertretern der Mehrheit zum Ausdruck gebracht wurde, daß die Orgel als sichtbares Symbol einer falsch verständenen Assimilation in der Gegenwart sich überlebt habe. Sie sei von der sogenannten Aufklärung eingeführt worden, und müsse als ein Uebergang zum Christentum und Abschüttelung des Judentums aufgefaßt werden. Es handle sich um eine Frage der Rückkehr von einer Dekadenzperiode zu den Originalwerten des Judentums. Ist die Hoffnung zu kühn, daß sich auch in den jüdischen Gemeinden Deutschlands mannhafte Rabbiner und Nicht-Rabbiner finden werden, die den Mut haben, dem Züricher Beispiel Folge zu leisten? Ist der Gedanke zu kühn, daß auch in den jüdischen Gemeinden Deutschlands man erkennen wird, daß unbeschadet der religiösen Einstellung der einzelnen, die Gemeinde als solche keine höhere Aufgabe heute hat, als wieder den Weg zum Anschluß an das historische Judentum institutionell zu finden, mit sorgfältiger Vermeidung all dessen, was lediglich eine Annäherung an das Christentum bedeutet und heute sicherlich keinerlei Sinn und Existenzberechtigung — auch abgesehen vom religiösen Standpunkt — mehr hat?

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