Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 7-9 (April 1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- Seite 344 (sequence 70)
- Belongs to
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244 wäre völlig verkehrt, die unerfreulichen innerjüdischen Zeiterscheinungen in Selbstgerechtigkeit von seiten der Orthodoxie nur zum Gegenstand einer Anklage gegen nicht orthodoxe Kreise zu machen. Wenn also im folgenden einige dieser Zeiterscheinungen zusammengestellt sind, so sollen sie in erster Linie eine Aussprache im engsten Kreise darüber anregen, was von unserer Seite aus zu geschehen hätte, um dem Sehnen weiter Kreise, die nur unklare Vorsteilungen vom jüdischen Wollen haben, entgegenzukommen und ihnen aus dem jetzt schon bald vier Generationen heraus anerzogenen Zustand einer völligen Umwertung jüdischer Werte herauszuhelfen. I. Vor kurzem fand in der Berliner Gemeinde eine gut besuchte Veranstaltung statt, in welcher zwei prominente Redner sich über die Notwendigkeit aussprachen, den nach Uebersee Auswandernden auch religiöse Werte zu vermitteln und ihnen klar zu machen, daß es sich keineswegs bloß darum handle, einen neuen wirtschaftlichen Lebensraum zu finden, sondern eine wirkliche jüdische Gemeinschaft zu gründen. Mit Pathos führte dabei ein Mitglied des Berliner Jüdischen Gemeinde-Vorstandes aus, daß ein nach Shanghai ausgewanderter jüdischer Arzt in s einer seelischen Einsamkeit Sehnsucht nach dem Judentum empfunden habe und daher ersuchte, ihm — das ״Jüdische Gem e i n d e b 1 a 11“ einzusenden. Hier ist ein typisches Beispiel für die völlige Verkennung der primitiven Voraussetzung für wirkliehe jüdische Betreuung der Auswanderer. Wer heute von dem Hilfsverein der Juden in Deutschland für landwirtschaftliche Arbeit in Südamerika vorbereitet wird, kommt zunächst in einen eigens dazu bestimmten landwirtschaftlichen Betrieb in der Nähe Berlins, welcher der dortigen jüdischen Gemeinde untersteht. In diesem G111 kennt man weder Sabbathruhe noch auch koschere Verpflegung. Wie ist es denkbar, gleichzeitig solche Zustände zu dulden und die Notwendigkeit religiöser Betreuung der Aus- Wanderer zu proklamieren? Wie ist es denkbar, eine solche Ausbildungsstätte als Voraussetzung für die Auswanderung zu schaffen und es dadurch fast unmöglieh zu machen, daß ein thoratreuer Jude diese Ausbildungsstätte besucht? II. Zwei kleine Episoden, über die die palästinensischen Blätter in den letzten Wochen berichtet haben, sind mehr als langatmige! theoretische Au&einandersetzun-