Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 7-9 (April 1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- Seite 321 (sequence 47)
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221 den Plan einer Judenreform erörterte, weitgehend von den Lehren der Aufklärung beeinflußt war. Daher war als das. Ziel einer künftigen Emanzipierung die völlige Assimilierung mit oder ohne Ueberführung der Juden in das Christentum gedacht.195) Die Assimilierung wird in manchen Fällen sogar als Vorbedingung für eine rechtliche Gleichstellung gefordert.196) In der Wirklichkeit hat aber nicht diese Tendenz zur Judenreform, die mit der Emanzipierung der Juden eine volkserzieherische Aufgabe erstrebte, die Emanzipation bewirkt, sondern die Gesetzgebung von 1812, die, wie Rosa Dukas es gezeigt hat, unter dem Einfluß der französischen Revolutionsideen die Gleichberechtigung der Juden bedingungslos annahm. In der späteren Entwicklung wirkte dann allerdings das Streben nach völliger Emanzipierung assimilierend, nachdem nämlich in der ״Reaktionszeit“ die Emanzipation auf dem Verwaltungswege wieder weitgehend eingeschränkt worden war. Die Tatsache, daß schon einmal in der Glanzzeit der deutschen Geschichte der Grundsatz der Emanzipation anerkannt war, gestattete es anzunehmen, daß die Widerstände Reste einer vergangenen Zeit darstellten, die der allgemeine Fortschritt einst beseitigen werde. Somit verband sich die Ideologie der Assimilation mit allem, was die Zeit vorwärts zu treiben schien und nannte reaktionär, was die endgültige Vereinigung von Deutschen und Juden gehemmt hatte. Doch diese Ideologie blieb nicht ohne Widerspruch. Die späteren Erfolge der Assimilation führten über den engen Kreis der Geisteselite, in der sie entstanden war, hinaus. Das Fortschreiten der Assimilation weckte zugleich Gegenkräfte, die die Berechtigung der Assimilation in Frage stellten. So kam eine neue Zeit auf, die in der Assimilation nicht mehr die bestimmt zu erwartende Lösung der ihr zu Grunde liegenden Fragen sehen wollte. Je mehr aber die Berechtigung der Assimilation angezweifelt wurde, um so dringender wurde die Frage nach ihrer historischen Entstehung. Denn die historische Bewertung einer Bewegung erfordert die Erkenntnis der geschichtlichen Kräfte, die bei ihrer Entstehung mitgewirkt und ihre Wirkung bestimmt haben. 195) Freund, a. a. O. II. S. 251. Vgl. die Gutachten zu dem Sehroett er’sehen Entwurf. 196) Rosa Dukas: ״Die Motive d!er preußischen Judenemanzipation‘״ 1916.