Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 7-9 (April 1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- Seite 319 (sequence 45)
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219 schien, sieht man daraus, daß er seine Forderung zugunsten der Juden mit Beweisgründen unterstützt, die zugleich das ganze herrsehende System antasten. Er tritt für eine völlig freie Wirtschaft ohne jegliche staatliche Reglementierung ein188) und fordert eine radikale Trennung von Staat und Kirche.189) Diese Verknüpfung der jüdischen Interessen mit Hoff nungen auf sonstige Reformen ist für das assimilatorische Judentum des 19. Jahrhunderts typisch geworden. Da die Gleichberechtigung niemals zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist, so mußte um sie gekämpft werden, auch nachdem sie schon gesetz־ lieh eingeführt war. Dieser Kampf wurde mit dem Streben nach allgemeinen, liberalen, demokratischen oder sozialistischen Grund- Sätzen verknüpft. Daher die Anziehungskraft der jeweiligen linksradikalen Parteien für die Juden. Von den Ideologien, die auf anderen Gebieten eine Umwälzung und Herbeiführung größerer Gleichheiten versprachen, erwartete man auch die endgültige und wirkliche Gleichberechtigung der Juden. Diese Haltung ist schon, wie wir sahen, bei Mendelssohn in seiner Spätzeit herausgebildet, nur daß bei ihm die Mittel fehlten, für die Erreichung der gesetzten politischen Ziele praktisch zu wirken. In der Theorie war die zukünftige Gleichstellung der Juden mit anderen Reformen verbunden gedacht. Diese Uebergangszeit, in der die Emanzipation unmittelbar nicht erstrebt werden konnte, war dazu geeignet, die Ideologie der Assimilation hervorzubringen. Denkbar wäre eine Assimilation auch ohne eine Ideologie, d. h. ohne theoretische Begründüng oder Rechtfertigung. Man kennt Beispiele dafür, so in erster Reihe die Assimilation der sephardischen Juden in Frankreich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.190) In Deutschland dagegen beginnt parallel mit der gesellschaftlichen Angleichung eine ideologische Rechtfertigung der neugeschaffenen Lage. Darüber hinaus erhebt diese Theorie dann die Forderungen, dieser Lage zur weiteren Entwicklung zu verhelfen und ihr eine rechtliehe Anerkennung nachfolgen zu lassen. Dies war möglich, weil die Assimilation auf Grund der Beteiligung an einem ״Geiste“ entstand und so das Element der Assimilation selbst die Mittel der theoretischen Begründung zur Verfügung stellte. Da man auf Grund der erreichten oder noch zu erreichenden 188) Schriften״ Bd III, S. 192. 189) Schriften״ Bd III. S. 281 ff. 190) Pasmanik, a. a. O.