Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 7-9 (April 1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- Seite 318 (sequence 44)
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jenseits der konfessionellen Gegensätze stellen sollte. Auf wirtschaftliehem Gebiete wollte er durch die Zulassung der Juden zu sämtlichen Gewerbezweigen die Privilegien der Zünfte durch-־ brechen.185) Solch kritische Einstellung zum bestehenden Zustand war in der spät-friederizianischen Zeit ganz allgemein. Sie gehörte besonders dem erstarkten Mittelstand an und wurde von Mitgliedern der Geisteselite, die ja meistens aus dem Mittel״ stand stammten, verbreitet. Es gehört zu den Eigentümlichkeiten des friederizianischen Staates, daß solche Verlautbarungen geduldet wurden, obwohl sie zu der Praxis der Staatsführung meistens im Widerspruch standen. Die freie Kritik wurde nicht gestört, denn die Kritiker erstrebten praktisch nicht die Verwirklichung ihrer Gedanken. Auch Dohms Schrift wendet sich mit den neuen Gedankengängen nicht an die Bevölkerung, um sie zu revolutionieren, sondern ist mit ״Ehrfurcht** den ״Regierern4* der Staaten gewidmet, ״um ihre Aufmerksamkeit auf einen Ge״ genstand zu leiten, der ihr bisher entgangen zu seyn scheint*‘.186) Die Geistigkeit der Aufklärung hatte die Trennung zwischen verkündeter Theorie und geltender Praxis gutgeheißen. Auch schon die Möglichkeit, seine Gedanken offen aussprechen zu dürfen, erschien gegenüber früheren Zeiten als eine so großartige Errungenschaft, daß auf die praktische Verwirklichung vorerst verzichtet werden konnte. Sie mochte der späteren Entwicklung überlassen werden. Je stärker aber die Ueberzeugung wurde, daß der gegebene Zustand rückständig und wider vernünftig sei, umso mehr konnte man an eine baldige Wandlung in der Gesinnung der Regierenden und ihrer Verhaltungsweise glauben. Die zunehmende Kritik, die gerade in den achtziger Jahren lauter wurde,187) stärkte das Bewußtsein, daß eine Wandlung der Dinge früher oder später eintreten werde. So wurde auch von Mendelssohn und wohl auch von anderen Aufklärern unter den Juden die Hoffnung gehegt, daß die allgemeine Wandlung auch die Verbesserung ihrer Lage, vielleicht sogar die bürgerliche Gleichstellung der Juden erbringen würde. Wie sehr Mendelssohn das Erlangen der Gleichberechtigung mit einer allgemeinen sozialpolitischen Wandlung verknüpft er- 185) Dohm:, a. a. O. S. 114. 186) Dohm, a. a. O. Einleitung. (Vorerinnerung־). 187) Weil, a. a. O. S. 106.