Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 7-9 (April 1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- Seite 317 (sequence 43)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2551369-2551418-2551422--2638-2554165- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Meriwo ausgesetzt worden. Nur Mausche und Aharaun sind dieser Probe würdig befunden. Auch sie vermochten nicht siegreich aus ihr hervorzugehen. Gleich allen Menschen sind^sie nicht, ohne zu irren, aus dem Leben geschieden. Aber weil Menschentum dieses heilige Bruderpaar mit uns vereint, darum erzittern wir voll unsagbarer Ehrfurcht vor den vielen Seelenkämpfen, die sie in sich erfochten, darum beugen wir demütig das Haupt vor der Seelenhoheit, mit der sie alles, was Mensch heißt, überstrahlten. Die Entstehung der Judenassimilation und deren Ideologie. Von Jakob Katz. (Schluss.) Die oben erwähnten Vorgänge haben Mendelssohn die Ueberzeugung beigebracht, daß eine Wandlung zugunsten der Juden durchaus im Bereiche des Möglichen lag, wenn nur eine gesellschaftlich-geistige Annäherung zwischen Juden und Nichtjuden erreicht werde. Das Edikt des Kaisers Josef II. zeigte, daß die Lehren der Aufklärung bei den Regierenden unter Umständen wirksam werden konnten. Mendelssohn hat zwar später zum österreichischen Versuch das Vertrauen verloren, weil er hinter ihm die Bestrebung, die Juden zum Christentum zu bekehren, zu erkennen glaubte. 184) Doch hat sich daraus die grundsätzliche Möglichkeit einer Reform von oben ergeben. Die schriftstellerischen Leistungen Lessings und Dohms wurden als die großartige Verkündigung der Menschheitsidee aufgefaßt, die dazu geeignet waren, dieser Idee vor einer größeren Oeffentlichkeit Gehör zu verschaffen. Im Falle der Dohm’schen Schrift wirkt auch noch ein anderes Moment mit, in Dohm den Verkünder der kommenden Zeit zu erblicken. Denn Dohms Forderungen zugunsten der Juden waren mit einer grundsätzlichen Kritik am bestehenden Zustand des staatlichen und gesellschaftliehen Lebens verknüpft. Wir sahen schon oben, daß Dohm mit der bürgerlichen Gleichstellung der Juden gleichzeitig die Hoffnung verband, auch in Bezug auf andere Glaubensbekenntnisse einen höheren Grad von Toleranz zu erreichen. Ebenso erwartete er für die Zukunft eine neue Staatsgesinnung der Bürger, die sie 184:) Schriften, Bdl. V, S. 677.