Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 7-9 (April 1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- Seite 300 (sequence 26)
- Belongs to
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200 wesen, um sich einer selbstverlorenen Einsamkeit anheimgeben zu können, zu wirklichkeitsnahe, um dem Mythos der heroischen Existenz zu verfallen, zu sehr Mensch des 20. Jahr־־ hunderts, um in die Naivität des Primitiven zurück zu können, zu klar, um Stimmung und Glauben zu verwechseln, und zu ehrlich, um sich selbst und anderen etwas vorzumachen. Ihr Weg ist nicht entschieden.“ (S. 35). Man hält also im wesentlichen noch dort, wo vor mehr als 25 Jahren der deutsche Wandervogel hielt, und wo vor 15 Jahren auch die jüdische Jugendbewegung in Deutschland stand. Man läuft Gefahr, vor lauter Problematik dem Weg ins Leben auszuweichen. Denn was für die religiöse Haltung gilt, gilt auch für andere Lebensbezirke. Die Mitglieder anderer Bünde wer den alle durch wirtschaftliche Gründe oft zu schnell ins reale Leben gestoßen. Bei dem Bund der Werkleute ist das weniger der Fall. Seine Mitglieder setzen sich zu einem großen Teil aus den Kindern der bis vor kurzem noch begüterten bürgerlichen Kreise in den Großstädten zusammen. Man legt viel Wert auf Formen — man hat häufig noch das Geld dazu. Man spricht viel über den Wert des Aesthetischen — denn man kann die Voraussetzung zu einer aesthetischen Haltung leicht schaffen. Es ist übertrieben, wenn man — wie es geschehen ist — den Bund der Werkleute als die Jugendbewegung der jeunesse doree bezeichnet, aber ein Körnchen Wahrheit steckt schon in diesem Wort. Auch ist es bedauerlich, daß — im Gegensatz zu allen anderen Bünden — das ostjüdische Element dort so gut wie gar nicht vertreten ist. Man hat oft den Eindruck eines exklusiven, westeuropäischen Kreises und hat Anlaß, zu befürchten, daß die auch von den Werkleuten zugestandene Exklusivität mehr aus der gleichen gesellschaftlichen Herkunft resultiert, als daß sie auf einer gemeinsamen geistigen Haltung beruht. Die hier versuchte Analyse der geistigen Grundlage und der Problematik zweier in ihrer jüdischen Haltung ganz divergierender Bünde (Esra und Werkleute) möge genügen. Beide Bünde gehören dem Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände an, und aus der Gemeinschaftsarbeit der jüdischen Jugend ist auch ihrer beider Anteil nicht wegzudenken. Wer Freude an überspitzten Formulierungen hat, könnte — wie oben schon angedeutet — bei den Werkleuten das dynamische und im Esra das statische Prinzip verwirklicht sehen. Aber man wird damit keinem der beiden Bünde gerecht. Und so seien denn diese Ausführungen