Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 7-9 (April 1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- Seite 298 (sequence 24)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2551369-2551418-2551422--2619-2554146- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ders geworden ist. Ein typisches Beispiel dafür ist der ״Bund der Werkleute“^ Er hatte sich aus dem früheren deutsch-jüdischen Wanderbund ״Kameraden“ entwickelt, der in stärkstem Maße der deutsehen Jugendbewegung und allem, was dem deutschen Kulturkreis angehört, verbunden war. In der eingangs genannten Aufsatzreihe war auch eine Charakteristik der ״Kameraden“ versucht worden. Unter dem Einfluß Franz Rosenzweig’s und Martin Bub er’s hatte sich — seit der Mitte der zwanziger Jahre — ein ״Kreis“ gebildet, der neben der Teilnahme an der Neugestaltung der gesellschaftliehen Verhältnisse (Sozialismus) den bewußten Anschluß an Geschichte und Gegenwart des Judentums forderte. Führer dieses Kreises wurde Hermann Gerson. Schon seinerzeit war festgestellt worden, daß Begriffe w^ Bewußtsein vom Volkstum, Verbundenheit mit der jüdischen Geschichte usw. zwar leicht den Weg zur zionistischen Ideologie ebnen, aber doch nur Surrogate sind für ״jüdische Wirklichkeit“, und daß die Hinwendung zum Zionismus oder zur konsequent beachteten Verwirklichung des jüdischen Gesetzes die beiden einzigen Konkretisierungsmöglichkeiten sind, die diese Gruppe des Kameradenbundes ergreifen konnte. Aber die ״Entdeckung des jüdischen Volkes“ und die Heranbildung nationaler Tendenzen ist lange nicht so mühselig und immer viel bequemer als die Unterordnung des eigenen privaten Lebens in den Dienst einer von zeitgebundenen Strömungen unabhängigen Idee. Fast scheint es, als sei man im Kameraden- und späteren Werkleutebund mit wundem Herzen den bequemen Weg gegangen: ״Wohl bleibt das Religiöse das Letzte, doch gibt es Stufen der Bereitung. Zum Letzten sind wir noch nicht fähig, nicht die Gewöhnung zeigt dorthin den Weg, sondern gerade die religiöse Abstinenz, die meist bis zu 16 bis 18 Jahren gewahrt wird.“ (Bundesblatt 1928 S. 17.) Der Bund bekannte sich 1933 vorbehaltlos zum Zionismus und zur Chaluziuth. Aber dieser Begriff der ״Abstinenz“ ist seitdem zu einem geflügelten Wort geworden. Nicht nur in dem Sinne, wie einmal Ernst Simon von Martin Buber gesagt hat, sein Verhältnis zum jüdischen Religionsgesetz sei mehr als die rein negative Ablehnung, sie sei als eine Art asketischer Haltung zu betrach-