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Nahalat tsevi · 1937-04-01 · Heft 7-9 (April 1937) · p. Seite 295

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
VII (5697) 1936/37
Issue
Heft 7-9 (April 1937)
Date
1937-04-01
Page
Seite 295 (sequence 21)
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10$ ״Gottes Wirken in der jüdischen Geschichte wird zum ״Anruf der Geschichte“ abgeschwächt, die Wucht des jüdisehen Gesetzes blaßt zu einem allgemeinen Begriff der Tat.“ (Seite 38.) Aber der Aufsatz von Wolf will sich nicht in der Polemik erschöpfen. Er will die Struktur der religiösen Jugend darlegen, aber das geschieht — man verzeihe mir meinen Freimut — durchaus unzulänglich. Was soll ein Satz bedeuten wie folgender: ״Das Gottesgesetz ist die Lehre von der Lebensausrichtung auf Gott hin, welche Lehre ihrerseits wiederum in der Wirklichkeitssphäre des Lebens selbst von Gott aus mitgeteilt sein muß.“? (Seite 36.) Ganz abgesehen davon, daß diese Zeilen rein sprachlich zu beanstanden sind, — sie vermitteln keinerlei Erkenntnis, die nicht schon in dem Wort ״Gottesgesetz“ begrifflich enthalten ist. Ebenso wie אהבת ה׳ genitivus subjektivus und genitivus objektivus sein kann, daß wir Gott lieben, und daß Gott uns liebt, genau so ist es mit dem Begriff des Gottesgesetzes bestellt, und es bedarf nicht solch verklausulierter Sätze, um darzutun, was gemeint ist. Geradezu bedenklich aber in seiner Wirkung auf Außenstehende ist folgender Satz: ^Das naive Volksbewußtsein ist nicht imstande, einen jüdischen Wegweiser auch nur ernst zu nehmen, der nicht zu selbständiger Behandlung einer talmudischen Materie imstände ist.“ (Seite 37.) Es braucht in dieser Zeitschrift gewiß nicht darauf hingewiesen werden, wie erst die .Fähigkeit zur selbständigen Behändlung einer talmudischen Materie den Anspruch zum jüdischen Führertum dort, wo es sich um geistige Führerschaft handelt, legitimiert. Aber schon dort, wo auch im jüdischen Leben die Ebene des rein Geistigen verlassen wird — und es gibt viele 601eher Bezirke — ist weder solch ein Anspruch zu erheben noch existiert ein ״naives Volksbewußt sein“, das solches Kriterium sich zu eigen macht. Es ist überhaupt mit diesem ״naiven Volksbewußtsein“ ein eigen Ding. Welches Maß von Naivität in der Beurteilung jüdischer Dinge anzutreffen ist, das lehrt ein Blick in die jüdischen Zeitungen, aber von wahrem Volksbewußtsein entdeckt man kaum eine Spur, so eifrig man auch das jüdische Volkstum betont. Um wieviel weniger darf man dann von einem angeblich vorhandenen ״naiven Volksbewußtsein“ sagen, es würde

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