Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 7-9 (April 1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- Seite 294 (sequence 20)
- Belongs to
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194 Aufsätze von führenden Mitgliedern der einzelnen Bünde vorangestellt, und gerade diese Aufsätze sind es, die dem Buch einen Wert über den Tag hinaus verleihen. Ganz besonders instruktiv und kennzeichnend für das Verantwortungsbewußtsein, das in dieser Gemeinschaft lebendig ist, ist der einleitende Aufsatz von Friedrich Brodnitz. Er charakterisiert die Aufgabe des Reichsausschusses dahin, daß er nicht Lehrmeister der Bünde, sondern Vermittler zu gemeinsamer Aussprache sein möchte. Gleichwohl kann eine derartige Zielsetzung zu Konflikten führen, vor allem dann, wenn auch eine kulturelle Arbeit in den Aufgabenkreis einbezogen werden soll. ״Wenn die agudistischen Bünde der Inangriffnahme gemeinsamer Kulturarbeit durch den Reichsausschuß Widerstand entgegensetzten, so mußten wir zwar im Interesse des gemeinsamen ArbeitsWunsches der übrigen Bünde über diesen Einwand hinweggehen, haben aber immer die Echtheit der Gewissensbedenken, die uns entgegen gehalten wurden, respektiert.“ (Seite 8.) Trotzdem ist es falsch, wenn in einem Aufsatz von Paul Eppstein: ״Die Bildungsarbeit der Jüdischen Jugendbünde“ es so dargestellt wird, als ob für die agudistischen Bünde die Bildungsarbeit durch das Religionsgesetz vorbestimmt, und daß man dort der Ueberzeugung sei, nur im eigensten Kreis eine der Grundanschauung entsprechende Bildungsarbeit leisten zu können. (Seite 25.) Man könnte sich damit begnügen, diese Ansicht durch den Hinweis auf das ״legitime“ Thora im Derech Erez-Prinzip zu widerlegen, aber dieses von Eppstein gefällte Urteil wird ungerecht, wenn sich damit eine Wertung verknüpft, die folgendermaßen lautet: ״Hier liegt also ein in sich ruhender, unkämpferischer, auch der Werbung entsagender Totalitätsanspruch vor.“ (S. 25.) Es ist bedauerlich, daß der Aufsatz von Abraham Wolf ״Zur religiösen Lage der jüdischen Jugend“ keine Argumente liefert, mit denen man Paul Eppstein widersprechen könnte. Man wird Abraham Wolf gewiß beipflichten, wo er das zwar als jüdisch empfundene geistige Ideal weiter Kreise der jüdischen Jugend als noch nicht jüdisch kennzeichnet. Und es ist verdienstvoll, wenn das Vokabularium einer Menge von Buber-Schülern dort eingeordnet wird, wo es auch hingehört: in das Gebiet der Phrase.