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Nahalat tsevi · 1937-04-01 · Heft 7-9 (April 1937) · p. Seite 285

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
VII (5697) 1936/37
Issue
Heft 7-9 (April 1937)
Date
1937-04-01
Page
Seite 285 (sequence 11)
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1Ö5 Untere alten Weifen f. A. kleiden diefe Erkenntnis in das Wort, daß alle Seelen teilhaftig waren der Offenbarung am Berge Sinai', in die verpflichtende Mahnung, daß jeder fleh fo zu betrachten habe, als wäre er am Fuße diefes Berges geftanden. Wir kommen ja eigentlich unmittelbar von einem folchen tat tvam asi-Erlebnis. Denn wenn wir an den Sederabenden uns und unteren Kindern kündeten, daß wir ״dabei gewefen", als der Auszug aus Ägypten fleh vollzog, was war das anderes als eine zum konkreten Erlebnis gewordene Rückfchau? Vielleicht hat deshalb die Offenbarung an diefes Ereignis angeknüpft, um gleiches für fich in Anfpruch zu nehmen. So würde fich fatt mühelos die Schwierigkeit löten, die nach der Anficht vieler Forfcher und Erklärer darin liegt, daß das Wort Gottes an Israel und an die Menfchheit nicht an die Welifchöpfung anfchließt. Und ferner wäre auch nach diefem Erklärungsvertuch das ertte der zehn Gebote nicht nur eine gefchichilich gegebene Anknüpfung fondern ein wirkliches Gebot, noch dazu ein tehr umfatfendes. Nur allzu oft haben im Laufe der jüdifchen Gefchichte jeweilige Zeitläufte das ״Erbe der Vergangenheit" abzufchütieln verfucht, nur allzu oft lehnte man (ich dagegen auf, folche Verpflichtung als bindend anzuerkennen, welche frühere Zeiten eingegangen waren. Es mag fein, daß dies der tiefe Sinn des Wortes altjüdifcher Weisheit, es hätten fich die Ahnen geweigert, die Thora entgegenzunehmen, bis der Berg fie zu umhüllen drohte. Die Vorahnungen folcher Zeiten, in denen das Schwergewicht der Erde kommende Gefchlechter die Gefchichtlichkeit und Dankbarkeit vergelten machen würde, mochte die Ahnen mutlos gemacht haben, bis ihnen gezeigt wurde, daß ohne diefe Seelenregung die Erde das Datein fchal und inhaltlos geftalten würde. In der Tat, betrachtet man die Offenbarung nur als eine Tattache der Vergangenheit, dann wäre das Martyrium fo vieler Epochen für diefes Ereignis etwas Unbegreifliches. Dazu gehört ein bewußtes Wiedererleben, ein tat tvam asi. Wir verftehen darunter nicht etwa nur das Erzeugnis der Geftaltungskraft einer fchrankenlos wirkenden Phantafie, fondern einen Rückftrom der Seele zu ihrem Urquell, in dem fie geborgen war, als Wort und Mahnung am Sinai erklang, an die alfo auch diefes Wort und Mahnung erging, vielmehr ergeht. Es ift alfo die Verpflichtung zu den Geboten der Offenbarung nicht ein Erbe der Vergangenheit, das man antreten oder ausfchlagen könnte, fondern ein eigenes

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