Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 7-9 (April 1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- Seite 284 (sequence 10)
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164 Vorausficht des Meffias, die nächße Zukunft recht geben! Wir aber — wie wir auch im einzelnen zu feinen Ideen und zu feiner Olim-Bewegung flehen, wißen: ein Großer aller Zeiten hat unter uns gelebt und ift von uns gegangen, und fein letztes Wort war Mofchiach. Wie weit wir auch mit ihm gehen, zur קדושה ßreben wir alle wie er, nach Mofchiach fehnen wir uns alle wie er. Darum hüten wir fein Vermächtnis; es heißt: דעת רחמים תפארת Die Einheit der Erfcheinungsformen. An den Ufern des Ganges herrfcht heute noch eine Weltanfchauung, welche in dem Bekenntnis gipfelt: tat tvam asi ״das bift Du״, ln der Sprache unferer Tage heißt das die Erkenntnis von der Einheit des Weltganzen. Alles Belebte und Unbelebte fließt ineinander, und zwar nicht nur in dem fubjektiven Weltbild des Einzelnen, fondern als Tatfache, als Lebensbedingung und Lebensäußerung einer Welifeele. Mit dem Begriff der Seele aber verbindet fich der Begriff der Unvergänglichkeit. So fließen auch die aufeinanderfolgenden Generationen ineinander, fich gegenfeitig verpflichtend und ergänzend. Die vergleichende Religionswiffenfchaft pflegt bei Parallelerfcheinungen auf demGebiet des denkenden Glaubensund des gläubigen Denkens einer Unterfuchung Raum zu geben, welcher von den Parallelen zeitlich die Priorität zukommt, welche die andere, wenn nicht gefchaffen, fo doch mindeftens beeinflußt hat. Im großen und ganzen dürften diefe Forfchungen feiten einen eineinwandfrei klaren Erfolg erzielen. Es gewinnt immer mehr Raum die Anfchauung, welche alles uns Bekannte auf diefem Gebiet als fekundär, als Reftbeftand einer alten Uroffenbarung, bezw. je nach dem Standpunkt des Forfchers, eines alten Urglaubens, mehr oder minder verdunkelt oder entftellt anzufprechen geneigt ift. Ganz fremd ift diefe Grundanfchauung auch unterem Judentum nicht, und zwar insbefondere in Hinficht auf die zweite, vorerwähnte Folgerung aus dem tat tvam asi, in Hinficht auf die Einheit der aufeinanderfolgenden Gefchlechter. Und vielleicht ift dies die eindringlichfle Lehre des Feftes der Offenbarung. Es ift der Eingang des Ewigen und der Ewigkeit in die Vergänglichkeit der lebensericheinung in der Menfchheit.