Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 89)
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175 wußte, daß die Verfdiiedenheit unferer Meinungen nur der Ausdruck der Verfdiiedenheit unferer Individualitäten war? Diefes Mal will ich aber Ihnen folgen und den Gedanken nicht weiter entwickeln und ftatt deffen einen Gedankenftrich hinmalen: — Der Aguda hat übrigens untere ״Verfdiiedenheit" nichts gefdiadet. Es war - und es ift vielleicht noch - wirklich ein ״Streit um des Himmels willen", und Sie jedenfalls hatten dabei oft genug Gelegenheit, Ihre ftupende Unempfindlichkeit, aber auch Ihre unnachahmliche Hartnäckigkeit im Fefthalten des für wahr Erkannten glorreich zu bewähren. Im Grunde find Sie, bei all den überreichen inneren und äußeren Wandlungen, fidi felber völlig gleich geblieben. Wären Sie ein Geftalteter, fo könnte man Sie gar manchen Widerfprudis zeihen. Aber Sie find kein Geftalteter, fondern ein Gefialter. Es wedifeln die Geftalten. Der Geftalter bleibt. Der Geftaltete kennt nur die eigene Geftalt. Der Geftalter aber hat die Fülle der Gelichte und die Demut jedes echten Rünftlers. Ich glaube, daß es diefe Demut war, die Sie vor mehr als einem Vierteljahrhundert in fchwerer Zeit zu meinem Vater זצ״ל führte und ihm für immer verband. Ich glaube, daß es das erprobte Auge des Geftalters war, das Sie die Genialität feines Sohnes זצ״ל erkennen ließ und ihm Ihr Herz erfchloß. Ihn haben Sie gefchaut wie nur wenige, ihn haben Sie geliebt, wie nur ein Begnadeter lieben kann, und ihm haben Sie die Treue gewahrt, wie nur eben — Sie treu fein können. Gerade diefe Zeitfchrift, die Fortfetzung unferer Monatshefte, diefes ganze Vierteljahrhundert des Bundes unteres engften Kreifes — fo eng und doch ein jeder fo verfchieden — hat mich immer wieder mit Ihnen, dem Meifter des Gefprächs, in koftbaren Stunden zufammengeführt. Jetzt fehlen mir diefe Stunden bei Kaffee und einer Unzahl Zigaretten. Ich meine übrigens, daß Sie allgemach etwas weniger rauchen follten. Aber bleiben Sie bei den Zigaretten. Mit einer Zigarre find Sie unvorftellbar. Und follten Sie mit Ihrem 20. Lebensjahr zu rauchen begonnen haben, fo beglückwünfche ich Sie aus tiefbewegtem Herzen zu Ihrem goldenen Zigarettenjubiläum und hoffe mit Inbrunft, daß lieh ihm ein weiteres halbes Jahrhundert anfüge, jung genießerifch umwallt von Dampf, jung geftaltend der Gedanken trächtig, jung fühlend der Gottesliebe voll.