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Nahalat tsevi · 1937-01-01 · Heft 4-6 (Januar 1937) · p. Seite 174

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
VII (5697) 1936/37
Issue
Heft 4-6 (Januar 1937)
Date
1937-01-01
Page
Seite 174 (sequence 88)
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174 aus der Ferne fpüre, wie fehr Ihre Gedanken und Ihre Gefühle gerade jetzt, da ich in Polen bin, bei mir weilen. Mir kommt vor, dafe Sie mich in Polen lieh nicht recht vorftellen können. In der Tat gäbe ich manches darum, etwas von Ihrer faft unbegrenzten Einfühlungsfähigkeit zu haben. Sie wiffen, dafe ich Sie ftets bis auf die Knochen - was freilich bei Ihnen nicht allzu viel heifeen will, da man fchnell genug darauf ftöfet - für den echteflen deutfehen Juden, in gewiffer Hinficht fogar für fo eine Art letzten Mohikaner gehalten habe, wenn man darunter einen jüdifchen Menfchen aus Bayern verfteht, deffen Wefenswurzeln eigentlich noch in der vormendelsfohnfchen Zeit haften, was bei Ihrem Bildungsgrad immerhin eine Leiftung ift. Und dennoch weife ich, dafe Sie lieh in Warfchau und Umgebung geradezu heimifeh gefühlt, dafe Sie untere Brüder in Polen grenzenlos geliebt haben und dafe Sie nur fo imftand gewefen find, der Retter des thoratreuen polnifchen Judentums, der wahre und eigentliche Gründer der polnifchen Aguda, der Lehrmeifter ihrer fpäteren Führer zu werden. Übrigens: wo bleiben Ihre Memoiren, fpeziell über Ihre polnifche Zeit? Habe ich Sie nicht oft genug darum gebeten? Es könnte ein hiftorifches Dokument werden. Lieb wäre es mir freilieh, wenn Sie lieh dazu entfchlie&en könnten, in diefen Memoiren Ihre Gedanken hübfeh bis zu Ende vorzutragen, ftatt fie nach Ihrer leidigen Gewohnheit nur anzudeuten oder gar, als trauten Sie dem Lefer nicht, in der Mitte abzubrechen. Audi in Wien wandelte ich in Ihren Spuren. Wien unterfcheidet fich von Polen recht beträchtlich. Aber Sie waren ja auch dort zu Haufe. Die Klage über Ihren Wegzug will nicht verftummen. ich fprach dort junge Menfchen, deren Augen zu glühen begannen, wenn ich Ihren Namen nannte. Und ich fprach alte, fogar uralte Menfchen, die Ihren Wegzug nicht verwinden können. Erzieher der Jugendgruppe und Organifator der erften Kneffio Gedaulo: wie lagt man heute fo fchön? ״Allerhand!" Und Jerufcholajim? Und Erez Jisroel? Sind Sie uns nicht eigentlich fchuldig, uns darüber auch einmal, aber hübfeh in extenfo, nicht auf der dritten Seite mit Gedankenßrichen endend, reinen Wein einzufchenken? Wir beide haben uns manchesmal in den Haaren gelegen, wenn ich fo fagen darf, aber war es am Ende nicht nur deshalb, weil jeder von uns fich• dermaßen reftlos mit feiner ״Nation" - Sie nehmen mir doch das Wort nicht mehr übel? - mit der jüdifchen Nation und ihrer teueren Stätte eins

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