Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- VII (5697) 1936/37
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 76)
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162 ist nicht von der Furcht vor der Blutrache die Rede. Offenbar hat sich auch dort die Anschauung erhalten, daß die Friedlosigkeit die eigentliche Verbrechensfolge ist. Die Erinnyen (Sanskrit Saranjus) verfolgen den Frevler und treiben ihn ruhelos einher. Sie vollziehen dadurch die Strafe des ״Unstät und Flüchtigseins״! § 2. ריב. (Fehde). Recht und Pflicht, den Rechtsbrecher zu töten, haben kein gerichtliches Verfahren zur Voraussetzung. Durch die Tat erfolgt die התרה למיתה, auf welcher Recht und Pflicht zur Tötung unmittel־ bar beruhen. Jeder Tatzeuge sowie jeder Dritte war berechtigt, die Strafe zu vollziehen (מנחת חינוך ת״ט). Falls die Sippe des Rechtsbrechers diesen auf Aufforderung nicht auslieferte, setzte sie sich selbst außerhalb des Rechtsfriedens. Es drohte ihr dieselbe Strafe wie dem Täter. So kommt es zu Kampfhandlungen zwischen den Sippen, wofür in der תורה der Ausdruck ריב gebraucht wird. Das Hauptbeispiel bietet die Verfolgung Jakobs durch Laban (1. B. M. 31, 22) wegen der von Rahel entwendeten Götzen. Diebstahl war todeswürdiges Delikt (V. 32). Daher war für Laban Anlaß zum ריב gegeben. Der Kampf geht zwischen Sippe und Sippe, weshalb sowohl die Söhne Labans (V. 23) als auch die Söhne Jakobs (V. 46, 54) als Kampfgenossen (אחיו) bezeichnet werden. Jakob im Vollgefühl seiner Unschuld lehnt jedoch den Kampf mit der Erklärung ab, daß er den Rechtsbrecher vor der verwirkten Strafe nicht schützen werde (V. 32). In den Versen 33—36 wird dann eingehend geschildert, in welcher Weise Laban die Zelte Jakobs durchsucht. Dieses Verfahren steht in interessanter Parallele zu dem Recht der feierlichen Haussuchung, welches vielleicht schon in der indogermanischen Urzeit (Schräder S. 420) jedenfalls im griechischen Recht (Hermann Thalheim S. 112) bestanden hat. Im Falle eines Diebstahls begab sich danach der Bestohlene möglichst entkleidet von Zeugen begleitet in das Haus des vermeintlichen Diebes, um nach dem gestohlenen Gut zu suchen. Nachdem alsdann Labanseinen Verdacht nicht erweisen kann, wird der Kampfzustand (ריב) durch einen Friedenseid beendet. In ähnlicher Weise wird der Streit zwischen Isak und Abimelech (1. B. M. 26, 31) durch einen gegenseitigen Friedensschwur beendet, nachdem zuvor Abimelech den Isak ״in Haß fortgeschickt״ (V. 27) d. h. für friedlos erklärt und dadurch den ständigen Anfeindungen der Hirten ausgesetzt hatte (ליריבו V. 20, 21). Auch bei dem ריב zwischen den Hirten Abrahams und den Hirten Lots (1. B. M. 13,7), welcher die Trennung beider